16.08.05 Weimar – SC Schütze
Einen Termin in der Schütze zu Weimar zu bekommen ist so schwierig, wie Steckzwiebeln in Beton anzusähen. Dieses Jahr war ich schlau wie ein Fuchs und hab mich schon Anfang des Jahres gekümmert – Der frühe Vogel fängt den Wurm!
Die Schütze in Weimar ist ein Studentenclub. Das heißt, da rennen ganz viele junge Menschen rum, die sehr empfänglich sind für eigenständige Musik. Also ist das eigentlich ein guter Club für uns. Der letzte Gig, den wir dort gespielt haben war genau 2 Tage nach unserer letzten Ostseetour. Wir waren müde, schlecht drauf und irgendwie ausgelaugt. Dementsprechend war auch der Gig. Dieses Mal waren wir aber fit! Mit gemischten Gefühlen ging es gegen 18 Uhr gen Weimar.
Der Bus war schon gepackt und die Vorhaut, ähm...Vorhut (für dieses Wortspiel könnt ihr mich ruhig hassen! Ich tue es auch. Aber ich musste es bringen. Ich bin so!) des PVS-Clans, nämlich der Seppel und der Mario, waren schon vor Ort. Als wir bei sommerlichsten Temperaturen am späten Nachmittag in die Innenstadt von Weimar fuhren war uns erst mal allen nach Eis oder Wein in nem Straßencafe. Aber definitiv nicht nach Aufbauen! Ich habe mich dann also den gaaaanz wichtigen Aufgaben eines Frontmannes gewidmet und erst mal mit Franzi, Chefin vons Ganze, die obligatorischen Regeln abgesprochen. Wir hatten tatsächlich einen Getränkezettel über 80! Euro!!! Das braucht allein unser Fussel, um grade stehen zu können...aber gut!
Da Seppel und Mario ja schon das meiste aufgebaut hatten, ging der Rest relativ schnell. Also eben Soundcheck und dann ab an den Gabentisch!
Zuvor allerdings musste ja noch der „Driver of the day“ bestimmt werden. Dies taten wir natürlich wieder mit unserem obligatorischen und äußerst fairen Glückswürfel! Ich will es kurz machen...Ralph Peter hat es diesmal voll ermittelt! Basti konnte minutenlang sein Glück nicht fassen und hätte über seinen Frohsinn fast vergessen, seinen Körper mit alkoholischer Flüssigkeit zu versorgen - Anfänger!
Am Gabentisch, einer langen Tafel, versammelten sich gegen 21 Uhr dann alle Beschäftigten und Verantwortlichen und natürlich wir zum großen Fressen! Es gab Kartoffeln und Königsberger Klöpse mit Carpern. Für mich war das ein Festschmaus...endlich mal keine Rostbratwurst oder ein Rostbrätl...ich kann es nicht mehr sehen! Michi allerdings verschmähte den kostbaren Schmaus zugunsten einer Adonisfigur! Ich trug es mit Fassung, denn so blieb mehr für mich!
Bevor es allerdings ans Essen ging, wurde erst mal jeder Teller gefüllt, Wein ausgeschenkt und gewartet bis alle am Tisch saßen und Wein und einen vollen Teller hatten. Da ich mich natürlich bei der Nahrungsvergabe leicht nach vorne gedrängelt hatte, war mein Essen fast schon wieder kalt, als es dann endlich losging.
Usus in der Schütze...alle fassen sich an den Händen, dann wird ein „Tischgebet“ gesprochen und erst dann wird gegessen...Sorry, aber ich hab nen Bruder gegen den ich mich immer verteidigen musste...ich kann nicht warten. Mir hing der Magen in den Kniekehlen. Und die wollen, dass ich warte?! Auf was denn? Vor mir, die saftigen, dampfenden Kartoffeln und ich darf nicht essen!? Das war Folter! Irgendwann saßen dann alle und es konnte losgehen. Lecker!!! Nach 3 Tellern war mein erster Hunger gestillt und ich verzog mich erst mal gemütlich in den Backstageraum...Gott war ich voll! Herrlich!
Zur besseren Verdauung flößte ich mir erst mal ein Gläschen Rotwein ein. Oder waren es zwei? Auf jeden Fall verging die Zeit wie im Flug. Ruck Zuck war es 22 Uhr und los ging es... Der Laden war schon gut voll und ich war frohen Mutes, dieses Mal die Hütte abzureißen! Wir berieten uns kurz, wie wir diesen Abend musikalisch beginnen wollten und einigten uns darauf, mal alles anders zu machen.
Erster Song sollte ein eigener Titel sein, der ohne musikalische Probleme ist und uns erst mal einen sicheren Einstand garantiert. „Lass uns Leben“ schien hierzu geradezu prädestiniert zu sein...haben wir gedacht...Denn pünktlich zu Beginn des Konzerts muss Ralphi wohl noch mal alle Synopsen rausgerissen und durchgespült haben...auf jeden Fall spielte er eine Version von „Lass uns Leben“, die ich noch nicht kannte! Traumhaft!
Nach dem das Thema jetzt geklärt war, konnte es eigentlich nur besser werden. Ein kräftiger Schluck Wein und alles sollte sich zum Guten wenden. Wir spielten wahrscheinlich die beste erste Runde unserer Geschichte...der Sound war geil, die Leute waren geil und wir schwebten die ganze Zeit irgendwie zwischen Bühne und Himmel! Wir konnten anzimbeln, was wir wollten...es lief einfach alles. Ich weiß nicht, was sie den Leuten, da gegeben haben, Kokain, Koffein, Cola oder Kaffee...auf jeden Fall hat es gewirkt!
Also quasi „Ehrengast“ war an diesem Abend Doreen mit nach Weimar gekommen. Doreen hatte Geburtstag und feierte diesen mit großem Gefolge und uns in der Schütze zu Weimar! Die Weiber waren schon gut unterwegs und so ließen wir es uns natürlich nicht nehmen, Doreen auf die Bühne zu holen und mit ihr „Happy Birthday“ abzufeiern. Ihr Wunschlied „Beton“ trug dann unser singender Herzensbrecher Michael Dirk Oliver Günther Attila Szutor mit einer derartigen Inbrunst vor, dass alle weiblichen Gäste und sogar ich mir spontan ein Kind von Michi wünschten! Einfach ein Traum...!
In der Rundepause trafen wir dann quasi im Infield die berühmten thüringer Rocklegenden Mario Anske und Norbert Ferge von „Biba & die Butzemänner“. Diese hatten extra ihre Deutschlandtour unterbrochen, um uns in Weimar den Rücken zu stärken. Vor lauter Aufregung hatte ich glatt Pippi in der Buchse! Wahnsinn!!! Geile Weiber, geile Kerle! Man konnte sich gar nicht recht entscheiden. Aber der Wein war auch lecker...! Und schon war die Pause auch schon wieder vorbei!
Die zweite Runde haute dann noch mal voll auf die Zwölf!
Es wurde noch ein bissl lauter und noch ein bissl schöner! Die Leute waren aber auch einfach nur gut drauf. Ich weiß gar nicht, ob es an uns lag oder ob die wirklich alle unter Drogen standen. Mir war es auch ehrlich egal...Hauptsache Party! Und die lief in vollen Zügen! Mittlerweile war nicht nur ich durchgeschwitzt bis auf die Unterplinte, sondern auch jeder, der sich mit uns den Raum teilte. Temperaturen wie im Reptiliengehege verwandelten einen einfachen Studentenclub in ein subtropisches Regenhaus!
Jeder ölte wie die Sau und so manch blasser aber dennoch fettleibiger Körper zeichnete ungewollt seine bizarren Konturen durch die schweißgetränkte Oberbekleidung....uhaaa...!
Eigentlich sollte der Abend pünktlich um 01 Uhr enden! Das hab ich vorher von Franzi glaube 100x gehört! „01 Uhr, dann muss Schluss sein!“...ja, ja, ja...! Punkt um 01 Uhr stand dann Franzi vor der Bühne und deute mit erhobenem Daumen, dass wir noch weiterspielen sollten. Baby, das geht so nicht! Ich war fast am Ziel, der Höhepunkt war fast erreicht. Und jetzt sollte ich noch verlängern?!? Ja wie denn? Erklär mal einem Stürmer, der grade den Tormann ausgespielt hat und alleine auf das freie Tor zuläuft, dass er noch mal umdrehen und zur Mittellinie laufen soll! Ich zuckte hilflos mit den Schultern...aber das frenetische Publikum forderte ohne Unterlass, dass die Kapelle doch weiter aufspielen solle. So geschah es dann auch.
Im Rahmen der Zugaben hatten wir dann zum ersten Mal die große Ehre, mit einem Bassisten arbeiten zu können. Norbert Ferge selbst und höchstpersönlich stieg zu uns auf die Bühne und sang mit mir, dem einfachen Jungen von nebenan, „every me, every you“ von Pacebo.
Die Meute tobte frenetisch! Ein „Sportfreund“ aus der Menge wünschte sich als letzten Titel noch „smoke on the water“ oder „highway to hell“! Nichts leichter als das! Ich holte den tollkühnen Taugenichts auf die Bühne und wir stimmten, mit Bert am Bass, „highway to hell“ an. Jetzt ging gar nix mehr im Publikum...herrlich! Das blöde war nur, dass unser Sportfreund nur den Text von „smoke on the water“ konnte und diesen eisenhart auf die Melodie von „highway to hell“ sang. Irre! Basti half dem Tölpel dann mit einer, na sagen wir mal...sehr freien Interpretation des Originaltextes. Aber es rockte wie die Sau. Und am Ende war es eh egal! Da unser Sportfreund nun nicht mehr singen musste nutzte er den entstandenen Freiraum, um auf der 1x1m Bühne den Befreiungstanz aufzuführen! Bert konnte dem Sensenmann grad noch von der Schippe springen, indem er seinen frisch rasierten Schädel noch rechtzeitig aus dem Zentrum der Gewalt zog. Dummerweise traf ihn der Tölpel mit dem Mikro genau an der Augenbraue...Eine tiefe Narbe ziert seitdem das makellose Gesicht des fleischgewordenen Perückenmodels...Aber Bert war so im Wahn, dass er das selbst er viel später mitbekommen hat.
Gegen 01:45 Uhr war dann endgültig Schluss. Jetzt hieß es ganz schnell einpacken und dann feiern! Doch das war leichter gesagt als getan in dem Schuppen. Unseren Getränkeschein hatten wir mittlerweile mehr als nur aufgebraucht. Aber auch sonst hieß es gegen 3 Uhr schon Ausschankschluss! Mit Mühe und Not ergatterte ich mir noch a Flaschl Wein. Die reichte natürlich nur für Bruchteile von Sekunden. Und da in der Schütze so langsam der Feierabend eingeleutet wurde, zogen wir mit der gesamten Bagage, so ca. 20 Mann, in einen Club, gleich um die Ecke...Ich glaub, ich war gegen 6 Uhr wieder zu hause. Genau weiß das wohl keiner mehr. Ist aber auch egal! Schön wars! Sehr schön!
Und ich freu mich jetzt schon auf den 22.10.05. Denn da ist in Weimar der berühmte Zwiebelmarkt und wir spielen noch mal in der Schütze...unverhofft kommt oft!
derMax