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02.04.2005 Naumburg, »Kaktus«

...kommt spät...aber er kommt...

...was soll ich sagen...? Wie oft hab ich mich in meinen überschwänglichen Liebesbekundungen dieser Stadt gegenüber schon selbst übertroffen? Wie oft hab ich mich in ellenlangen Monologen darüber ausgelassen, wie gut diese Stadt zu uns ist?! Mir läuft das Pipi lauwarm die Wangen runter vor Begeisterung, wenn ich nur an diese Stadt denke...

Naumburg und wir, das ist wie Zucker und Zimt, Ying und Yang oder Bernhard und Bianca...es passt einfach wie Arsch auf Eimer! Aber von vorn...

Es war mal wieder eine „city night life“ angesagt. Eine Kneipenmeile, die geradezu eine Garantie für eine geile Stimmung liefert. Wie immer sollten wir im Kaktus spielen...alles bekannt, soweit nix neues.

Den Bus hatten wir am Freitag schon eingeräumt. Von daher hatten wir alle Zeit der Welt und nutzten diese, um Zeugen eines souveränen 0:3 Sieges meiner Münchner Bayern (dem späteren, verdienten Deutschen Meister) gegen wehrlose Wolfsburger Wölfe zu werden.

Während ich meine helle Freude an diesem herrlichen Fußballnachmittag hatte, durchlitt unser Michi das Tal der 1000 Tränen. Die ewigen 2. (für Nichtexperten...ich mein damit die Fussballmanschaft von Bayer Leverkusen = Michis Manschaft des Herzens, wenn nicht grad der gute FC Carl Zeiss Jena spielt)...also die Leverkusener Zauberfußballer schafften gegen Bielefeld nur eine magere 1:0 Niederlage, was den Gemütszustand unseres Gitarrenathleten sichtlich in den Keller trieb, da damit die langgehegten UEFA-Cup-Illusionen in weite ferne rückten. Die roten Schlaftabletten haben Glück, dass unser Bernd, also Schneiders Bernd, oder Schnicks, wie wir Freunde ihn nennen, noch da spielt. Sonst hätten die blöden Versager ihren jenenser Bonus hier aber so was von verspielt...!!! Arschgeigen!

Na ja egal, gegen halb sechs klingelte es und bei strahlendem Sonnenschein ging es im Konvoi in das Rio von Sachsen-Anhalt. Konvoi deswegen, weil uns die Firma PVS – Peterleins-Veranstaltungs-Service Jena in schier grenzenloser Selbstlosigkeit vorrübergehend 2 Lustsklaven der Ton-und Lichttechnik anheim gestellt hat. Marcus und Seppl mussten natürlich standesgemäß im eigenen Großraum-KFZ anreisen...und das taten sie dann auch...

Obligatorisch wurde natürlich noch vor Antritt der Fahrt der große Glückswürfel gequält. Irgendeiner muss uns ja schließlich wieder nach Hause fahren...Ich war diesmal fein raus. Denn ich hatte in Dessau verloren und war somit vom Spielbetrieb ausgenommen...watt ein Pech! Auf dem Parkplatz des Nettomarktes (vielleicht krieg ich für diese Schleichwerbung ja mal ein Wassereis auf lau?) ging es dann also los...

Mein dickbäuchiger Lieblingsschlagzeuger Basti traute sich als erster und startete schon mal ganz gönnerhaft mit einer unglaublichen „1“! Irre und atemberaubend, wo der Junge das nur immer herholt...Aber eines steht auch mal fest...bescheißen tut der nicht! Fussel sorgte mit seiner „6“ gleich für klare Fronten und machte klar, wer sich heute definitiv ins Nirvana saufen wird! Flori lies sich entgegen aller Erwartungen auch nicht lumpen und schaffte mit seinen Versagergriffeln tatsächlich eine „5“ (...der bescheißt!) Jetzt kam Ralphis große Stunde. Kenner der Glücksspielszene werden wissen, dass man eine „1“ nicht unterbieten kann. Was blieb unserem Tieftontölpel also übrig? Richtig! Auch eine „1“ würfeln. Das tat er dann auch! Glückwunsch Ralph Peter! Unser Michi ist komischerweise immer der letzte, der den Würfel in seine angsterfüllten, schwitzigen Hände nimmt. Aber nach zwei Einsen konnte ja so viel nun nicht mehr passieren. Und so würfelte er sich mit einer bescheidenen „3“ sicher ins Lager der Nichtfahrer.
Stechen also zwischen Basti und Ralph. Ich sag mal so, es hätte keinem der beiden Unrümpfe geschadet mal einen Abend auf den Konsum von hochprozentigen Alkoholika zu verzichten. Aber ich hab ja nix zu sagen...
Basti fing also wieder an. Und was soll ich Euch sagen...der Hans im Glück und der Sieger der Herzen erwürfelte sich wieder eine ehrliche „1“!!! Irre! Unglaublich, fantastisch und dennoch tatsächlich wahr!!!
Damit war so gut wie klar, dass der Fahrersitz heut einzig und allein auf ihn eingestellt bleibt...so langsam passt sich dieser schon den lieblichen Rundungen unseres Schlagzeugpropheten an...
Ralph Peter reichte eine lockere „3“, um sich selbst von den Fahrerpflichten zu befreien. Tief getroffen und gedemütigt nahm Basti seine erneute Niederlage hin und fügte sich widerwillig seinem Schicksal...oder gar seiner Bestimmung?! ...man weiß es nicht!

Gegen halb sieben in Naumburg angekommen trafen wir erst mal auf ein paar gute und altbekannte Gesichter...schließlich spielen wir nicht zum 1.Mal hier. Ob sich damit dann aber auch schon die sehr innigen Umarmungen und die herzhaften Zungenküsse erklären lassen, wage ich mal zu bezweifeln....schön war es jedenfalls nicht. Aber was macht man nicht alles fürs Geld!?

Ich weiß nicht woran das lag...vielleicht am schwülwarmen Wetter oder so...aber es lag eine seltsam sexualgeschwängerte Brise in der Luft. Und das sollte bis zum nächsten morgen so bleiben. Aber erst mal die Arbeit...

Zielsicher räumten wir unser Equipment aus dem Bus ins Zelt und verkabelten alles. Wie immer im Kaktus geht das sehr schnell. Man weiß ja schon, wo alles steht. Die Belegschaft kümmerte sich auch rührend um unser leibliches Wohl. Schon Sekunden nach unserer Ankunft standen schon die ersten Pils kalt!!! Ich liebe es! Schon vor dem Soundcheck wurde dann die Pizza-Bestellliste rumgereicht, um nicht wieder erst 22 Uhr die warmen Fladen aufgetischt zu bekommen. Wunderbar!

Mitten im Soundcheckstress kamen dann noch ein paar gut gebaute, knabenhafte Jünglinge hinter dem Horizont hervor (...watt ein Wortspiel !!!). Das bedeutete für uns...schon wieder Sex oder wahlweise Pils...Rockstars eben...!!! Ich hab mich für das Pils entschieden, obwohl Carstens Hintern schon verlockend war...aber ich bin ja ein anständiges Menschenkind!

Soundcheck war dann doch recht schnell fertig. Einzig die teilweise sehr...na sagen wir mal...abenteuerliche Konstruktion der Scannerhalterung hielt uns ein wenig auf und machte mir persönlich auch ein wenig Angst. Unsere Ralph Peter und das Amt für Arbeitsschutz werden wahrscheinlich nie große Freunde werden!

Egal, weil irgendwie hielten die Scanner dann doch...zumindest noch und außerdem gab es wichtigeres, denn die Pizzen wurden grad geliefert. Dabei fällt mir ein...wie ist eigentlich die Mehrzahl von Pizza? Pizzi, Pizzen...? Keine Ahnung...aber geschmeckt haben sie...und das alles noch vor 20 Uhr – Weltrekord!!!

Ich bewundere in solchen Momenten immer unseren kleinen, südosteuropäischen Vorzeigegitarristen. Der verschmäht eisern die Nahrungsaufnahme zu solch späten Uhrzeiten. Wahnsinniger! Ich könnt das nicht!!!

Naja, so langsam trafen dann auch die ersten Leute ein und schauten mir beim Essen freundlich über die Schulter. Einige Blitzmerker stellten dann auch so lustige Fragen wie...“Schmeckts?“ oder „Wann fangt ihr denn endlich an?“ Gut, ich mein, um 19:45 Uhr ist diese Frage wirklich gerechtfertigt. Zum Glück für die Eierfeilen bin ich ein ruhiger Vertreter meiner Zunft und habe es vorgezogen, einfach weiterzuessen! Aber irgendwie schmeckte es dann nicht mehr ganz so gut...Weiber!

Gegen 20 Uhr hab ich dann höchstpersönlich den Roten Teppich ausgeworfen...Ein unglaublich schönes und anmutiges Wesen schwebte förmlich über den imaginären Teppich und erfüllte das Zelt mit einem wohlig warmen Sommerduft...meine Mutter, nebst Gatte und jungem Gefolge... Naja, jetzt konnte nichts mehr anbrennen. Nach einer kurzen Verdauungsphase ging es dann ans Gitarrenstimmen. Mittlerweile war es ein paar Grad kälter geworden und wir mussten ordentlich schrauben, um die Biester auf Stimmung zu bringen...wie Weiber ehrlich!

Also los ging es...

In Naumburg haben wir den großen Vorteil, dass viele Leute unsere CD im Schrank stehen haben. Das heißt, ein Großteil des Publikums kommt genau deswegen zu uns. Also konnten wir ganz geschmeidig erst mal mit ner ganzen Latte eigener Songs beginnen. Das ist für uns natürlich ein riesiger Vorteil, weil wir das nicht sehr oft machen können. Umso schöner war es! Das Zelt füllte sich dann sehr schnell. Und das lag, so glaube ich wirklich, allein daran, dass Ralph Peter mal wieder einen traumhaften Bass spielte! Och...irre was der wieder die Saiten zupfte! Wie Bernhard zu Bianka, wie Susi zu Strolch, wie Ede zu Unku...so verstehen sich Ralph Peter und sein klanggewaltiges Viersaiteninstrument. Gut, er spielte offenkundig immer einen anderen Titel als wir...aber man...er spielte mit einer derartigen Inbrunst, dass man selbst nicht wusste, ob er jetzt falsch war oder tatsächlich wir anderen...ein Gigant!!!

Die Liegestütze blieben dem Tieftontölpel erspart. Denn die nächsten 3 Runden waren einfach nur geil! Die Leute im Zelt waren so gut drauf, dass ich glatt bereit war mich formlos zum Sex anzubiedern...Die Zeit bis um 2 Uhr morgens verging wie im Flug! Zwischenzeitlich kam immer mal eine junge, blonde Dame an mein Mikro und sang irgendetwas unverständliches in mein Ohr...Ich sag mal so...schön is was anderes – aber egal!

Je später der Abend wurde, umso mehr quetschten sich die Menschen im Zelt, bis es dann, trotz der ca. –20C° Außentemperatur, heiß von der Decke tropfte. Als ich dann irgendwann die verwahrlosten Mitmusikanten von „Horizont“ bei uns im Zelt entdecken konnte, war mir klar, dass die schon wieder Feierabend haben und dass es für uns höchste Zeit ist.

Der Abend endete dann mit einem leidenschaftlichen Boxenstripp von Fussel und Flori, an der vor allem die Damen im Zelt ihre helle Freude hatten! Je oller, desto doller...aber so was von dankbar!!! Ja, hier wird dem Publikum halt noch was geboten fürs Geld. Irgendwann war dann aber auch endgültig Schluss...Feierabend und aus die Maus!
Wer jetzt aber dachte, dass wir schnell abbauen und nach Hause fahren, haha...der hatte die Rechnung aber ohne den Wirt gemacht. Jetzt wurd es erst richtig lustig! Gegen 3 Uhr morgens hatten sich so ziemlich alle Nachtschwärmer Naumburgs im Kaktus versammelt und begossen gemeinsam ihre trockenen Kehlen mit obergärigem Beruhigungsmitteln. Basti, unser treuer Freund und Fahrer, versuchte sich mit Cola, Wasser und Kaffee wach zu halten. Mit diesen Getränken brauchte man unserem Fussel um diese Uhrzeit natürlich gar nicht erst zu kommen. „Beam-Cola“ bitte Frau Lange! Und den ersten trinkt er immer noch sofort! Hhmm, herrlich!!!

Die blonde Schnake, die mir schon während des Auftritts immer ins Ohr trötete, war auch wieder mit am Start. Aber diesmal stellte sie nicht nur ihre Sangeskünste zur Schau, sondern auch sonst alles, was sie hatte... das Figürchen dazu hatte sie! Je früher der Morgen wurde, desto hemmungsloser wurden die Beteiligten. Irgendwann ließ sich dann auch unser Fussel nicht mehr zügeln und begann seinen Prachtkörper lasziv in den Wogen der Musik zu schwingen...jetzt wurde es richtig heiß! Er besorgte sich schnell ein paar nagelneue Gucci-Treter von einer anderen blonden Tanzmaus. Sie meinte noch, dass sie wirklich neu wären und bestimmt nicht passen würden...egal...die feinen 20cm-Absatz-Latschen wurden fachmännisch geweitet und schon passten sie sogar Fussel! Traumhaft!

Die blonde, singende Tanzschnake hat ihren Nebenbuhler Fussel natürlich sofort als Feind erkannt und ihn sich direkt vorgeknüpft. Zu „YMCA“ erklommen die beiden Tanztüten erst mal die Theke...und dann ging es Schlag auf Schlag. In windeseile hatte die blonde Tanzmaus erst mal Fussel von seiner völlig überflüssigen Oberbekleidung befreit. Das störte diesen natürlich überhaupt nicht. Ich denke sogar, ihm hat es gefallen. Den Leuten, die Teilweise völlig perplex auf die Theke glotzten, hat es auf jeden Fall gefallen...Das Gejohle und Gegröhle wurde noch viel lauter, als Tanzmaus sich anschickte, unserm Fussel auch noch das Beinkleid zu entfernen. Buchse auf, Reisverschluss auf und dann ganz, ganz langsam runter mit der Plinte! ...und da erstrahlten die kellergebleichten Fussballerkeulen in ihrer ganzen Pracht und Schönheit. Gut, der Kerl hätte sich wirklich die Beine rasieren können. Aber schick war es trotzdem!

Jetzt tanzten da oben auf der Theke also die blonde Tanzschnake und unser zu Recht unterbezahlter Schlüpferroadie. Unten rum gröhlten ca. 50 angesoffenen Heimatlose zu the best of 80´s! Es war ein Traum! Jetzt ging Fussel zum Großangriff über...und unter dem Jubel der gierigen Meute entledigte er auf elegante Art und Weise die blonde Tanzschnake von ihren wirklich völlig unnötigen Beinbekleidung. Jaaaa....! Hier ist was mit Rüssel! ...und mit String! Jaaaa...ach war das ein Bild! Herrlich! Ein prachtvoller Arsch! ...also der von Fussel natürlich...is klar... Mich hebt so was ja überhaupt nicht an...ich stand völlig einsam und allein in einer Ecke, nüchtern, und habe mich angewidert weggedreht! Jawohl!

Naja...der Morgen endete dann irgendwann gegen 7, halb 8 Uhr. Fussel war mittlerweile komplett nackig und der Rest der Bande ganz schön im Arsch! Und Basti...die arme Sau...der war immer noch nüchtern und der einzige, der mir wirklich leid tat an diesem Morgen! Er hat uns dann alle schön nach hause gefahren und sich dann glaube ordentlich einen auf die Rübe gegossen...Der Würfel ist manchmal so ungerecht...aber dafür haben wir Dich alle lieb Basti!

In diesem Sinne...bis bald in Naumburg oder sonst irgendwo! derMax