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15.10.2004 Prießnitz – Brandfest

 

Ich sag es gleich schon einmal vornweg... diesen Abend und die Entstehung dieses Abends kann man mit Worten einfach nicht beschreiben. Es geht einfach nicht! Man muss dabei gewesen sein, sonst hat man was verpasst und kann hier durch meine Zeilen auch nur den Bruchteil dessen erleben, was und vor allem wie es wirklich war. Ich könnte es kurz machen. Aber erstens ist das nicht meine Art, zumindest nicht, was die Tagebucheinträge angeht, und zweitens gibt es nunmal keinen Begriff, der wirklich all das Erlebte beschreibt. Also versuche ich es mal lang...

Noch ’ne kleine Anmerkung, bevor es losgeht... Es ist wird wirklich lang. Also wem nach einer Stunde die Augen wehtun, der sollte sich den Text einfach als Word-Dokument speichern, vergrößern und am nächsten Tag weiterlesen.

So jetzt aber los...

Also, zur Erklärung fang ich mal bei Urschleim an... die Horizonter (für Unwissende – die wahrscheinlich beste Coverband aus Naumburg und Umgebung... ach was sag ich, der ganzen WELT!!!, bestehend aus 6 verdammt gutaussehenden und begnadeten, wenn auch manchmal faulen und zu Recht überbezahlten, jungen Musikern + einem ganzen Haufen von gut genährten, darum auch dickbäuchigen aber dennoch sehr liebenswerten Helfern oder neudeutsch Crew) und wir kennen uns schon seit ein paar Tagen. Man besucht sich mal gegenseitig bei Konzerten, redet und trinkt mal einen, wenn es sein muss, aber auch nur dann... und höchstens einen, vielleicht auch mal zwei oder drei...

Aber dann ist Schluss! Nur hat sich die Gelegenheit noch nie ergeben, mal gemeinsam irgendwo zu spielen.

Diese Möglichkeit bot sich nun aber zum Brandfest in Prießnitz.

Aus diesem Grund setzten wir uns Anfang September schön in ein Cafe und haben uns überlegt, wie wir diesen Abend gestalten wollten.

Schnell stand fest, dass wir auf keinen Fall abwechselnd spielen wollten! Das heißt, 1. Runde wir, 2. Runde Horizont, 3. Runde wieder wir, usw...

Das machen alle Bands und das nervt die Leute und die Musiker auch. Vielmehr wollten wir mal irgendwie was besonderes machen. Nur wie? Wir hatten ja auch nicht mehr ewig viel Zeit!

Also haben wir erst mal geguckt, wie groß die Bühne ist, um zu sehen, was man alles draufstellen kann. Und siehe da, sie war gerade groß genug für 2 komplette Sets. Das hieß 2 komplette Schlagzeuge, 4 Gitarrenamps, 2 Bassamps, ein Keyboard, ein paar Monitore, 10 Mikrophone und ca. 1000 Gitarren... Geil!

So entstand der Gedanke, dass wir 2 Runden auf jeden Fall gemeinsam spielen wollten... am besten gleich die erste Runde und als Abschluss auch noch die letzte Runde. Zwischendrin spielt jede Band dann noch eine Runde mehr oder weniger allein und fertig ist der Lack!

Das bedeutete natürlich, dass wir, das heißt in diesem speziellen Fall Carsten und ich, ca. 30 Songs raussuchen mussten, die man mit beiden Bands spielen konnte. Und das war die erste große Herausforderung! Zu diesem Zwecke studierten wir dann erst mal intensivst die beiden Rundenlisten beider Bands und guckten, ob es Titel gab, die wir beide spielten. Die waren schnell gefunden und vorgemerkt. Da die Titel natürlich noch nicht reichten, suchten wir jetzt die Titel von jeder Band raus, die man auf jeden Fall spielen wollte... so z.B. „Pride“, „Highway to hell“, „Lass die Sonne rein“ und solche Sachen...

Da sind uns auch ’ne Menge eingefallen, aber letztendlich hatten Carsten und ich das Gefühl, dass noch irgendetwas fehlen würde, irgendetwas ganz neues, was noch keiner von uns zuvor gespielt hatte... irgendetwas großes, geiles, unsagbar schönes...! Nein, Ralph Peter zieht sich nicht auf der Bühne aus! Das stand fest. Vielmehr suchten wir nach einem musikalischen Highlight. Nach kurzer Überlegung, die eigentlich keine war, weil sowohl Carsten und auch ich die Titel schon im Kopf hatten, aber nicht getraut hatten, den Vorschlag zu machen, stand es fest.

Der perfekte Anfang für solch einen Abend wäre „Where the streets have no name“ von U2, gespielt in der kompletten Besetzung (2 Schlagzeuge, 2 Bässe usw...) Und als letzten Song „Beautiful day“ auch von U2, gleiche Besetzung! Fertig! Hammer! Obergeil!

Von jetzt an wurde mit Hochdruck geprobt. Zunächst probte jede Band für sich erst einmal die 2 komplett neuen U2-Songs. Ende September probten wir dann das erste Mal zusammen. Der Ort für das erste illustere Treffen war der Horizontproberaum im schönen... Irgendwo...! Auf jeden Fall war es ganz weit weg und ganz tief im Wald! Zum Glück hatten wir Rene mit im Auto, sonst wären wir in der Wildnis verloren gewesen. Der ortskundige Beamte schickte uns über die unglaublichsten Felder und Wiesen, die angeblich Straßen waren. Aber schön war’s! Nach diesem Ritt war die Stimmung im Proberaum sehr ausgelassen, das Bier süffig und die Probe dennoch sehr effektiv. Das machte Mut auf die bevorstehende Aufgabe. Von nun an traf man sich dann öfter auch mal privat, also Havana-Bar eben...

Das führte dann zu dem einen oder anderen Totalabsturz eines zahngeschwächten Edelgitarristen... aber keine Details und vor allem keine Namen! Mittlerweile geht es Rene aber wieder gut! Ha!

Auf jeden Fall haben wir uns dann kurze Zeit später ein zweites Mal getroffen. Diesmal allerdings bei uns im Proberaum in Jena.

Hier bestätigten sich nun leider die zuvor gehegten Zweifel, 10 Musiker mit ihren Instrumenten innerhalb von 3 Proben, bei 30 Songs unter einen Hut zu bekommen... schließlich musste geklärt werden, wer, wann, wo, bei welchem Lied was zu spielen hat. Und dann musste das Wissen darum auch noch umgesetzt werden. Im Optimum auch noch zeitgleich. Die Probe war für alle eine echte Geduldsprobe. Ich glaube, jeder von uns hat Minimum einmal überlegt, ob wir uns da nicht zuviel zugemutet haben. Aber keiner hat sich getraut, etwas zu sagen. Mehr oder weniger demoralisiert haben wir dann den Proberaum verlassen und geweint... lange geweint!

Zur dritten und letzten Probe, wieder in Jena, hatten sich alle noch einmal auf den Hosenboden gesetzt und sich ordentlich vorbereitet. Auf jeden Fall lief es fast wie am Schnürchen. Hier und da mal ein paar Ecken und Kanten aber ansonsten... ok. Ob es daran lag, dass das Bier fast alle war? Keine Ahnung!

Fakt ist, dass diese 3 Proben die beiden Bands verdammt nah aneinander gebracht haben. Davon war vorher nicht auszugehen. Schließlich war es ein großes Generationenmeeting. Rein theoretisch hätten sich da auch locker Papa und Sohn treffen können... ich meine theoretisch... obwohl, optische und grobmotorische Parallelen durchaus vorhanden waren... egal! Ich steh auf Bassisten – die haben so große Hände!

Auf jeden Fall war nach der 3. Probe jeder von uns heiß auf den Auftritt. Da wurden tausende von Rundenlisten und Zetteln gedruckt, telefoniert und gefaxt, damit wirklich jeder weiß, wann er, was, wo und wie zu spielen hat. Schweinischst!!!

Am Freitag den 15.10. war es dann endlich soweit. Wir, also DINa4, trafen uns gegen Nachmittag im Proberaum, um die Backline im Auto zu verstauen. Die Anlage wurde gestellt. Von daher hatten wir relativ wenig Arbeit. Hatten wir gedacht.

Aber am Proberaum angekommen mussten wir feststellen, dass irgendwelche Kohleputzer unseren hochgeschätzten Aufzug blockierten. So bestand die durchaus berechtigte Gefahr, den ganzen Mist über 2 Etagen schleppen zu müssen... das roch nach Arbeit... nix für mich!

Für Basti zum Glück auch nicht, denn der konnte das Problem dann auch in Windeseile lösen. Wahrscheinlich haben die Burschen seinen Bauch gesehen und hatten Angst, gefressen zu werden... Auf jeden Fall machten sie den Aufzug frei, wir konnten einladen und losfahren.

Gegen 18 Uhr sind wir dann in Prießnitz eingeritten. Entgegen unserer „normalen“ Angewohnheit haben wir es an dem Tag tatsächlich geschafft, den ganzen Weg von Jena nach Naumburg ohne den obligatorischen Tankstellengetränkeaufnahmestop zurückzulegen.

Dementsprechend ausgedürrt liefen wir dann auch in Prießnitz ein.

Zum Glück erkannten die geschulten Augen der Horizont-Crew sofort den kritischen Pegel der Alkoholkonzentration in den Adern meiner Bandkollegen und sorgten schnellstens für Abhilfe. Welcher genetische Fehler allerdings dazu geführt hat, dass die Jungs ausgerechnet „Kirschlikör“ als Gegenmittel verabreichten, das entzieht sich meiner Kenntnis. Wahrscheinlich musste der weg...! Egal, wir haben alle von der Medizin getrunken und es überlebt. Was blieb auch anderes übrig, da von Veranstalterseite nicht viel an Flüssigkeit kam. Zudem war es saukalt in dem Zelt und alles andere als gemütlich. Es gab zwar ’ne Heizung, aber die nutzt nix, wenn sie nicht läuft oder gar wieder ausgestellt wird! Ok, genug gemault... aufgebaut!

Der Aufbau war das erste Highlight an dem Tag. Wie das ausgesehen hat, muss ich wohl keinem erklären... Man stelle sich einfach ca. 20 hypermotivierte Menschen vor, die alle zeitgleich versuchen, in Windeseile ihr Equipment auf die Bühne zu stellen und sich dabei eigentlich nur im Weg sind.

Das fing an mit den von sich aus schon nicht gerade schlanken Schlagzeugern. Ich meine, warum die alleine schon gut die Hälfte der Bühne für sich brauchten war mir klar, als ich die beiden Prachtexemplare deutscher Bierbraukunst nebeneinander hab stehen sehen. Na gut, ich will ja auch gestehen, dass die Podeste, auf die sie die Schlagzeuge gestellt hatten, auch ziemlich groß waren. Dabei fällt mir ein, dass eines der beiden Podeste wirklich Grund zur Besorgnis gab. Das war so derartig instabil gebaut, dass jeder Schritt auf der Bühne 2 Sekunden später am Schlagzeug angekommen war und das ganze Ding einmal komplett wie einen sibirischen Hochseedampfer durchgeschaukelt hat. Aber durch das ihnen von Gott gegebene, eigene, durchaus ansehnliche, weil sehr schmuck verpackte Körpergewicht gelang es den grobmotorischen veranlagten Holzstockakrobaten dann doch irgendwie, das herrenlose Ding zu stabilisieren. Respekt!

Nach ungefähr anderthalb Stunden stand dann alles so halbwegs und war entsprechend verkabelt. Und dafür, dass es ein riesiges Durcheinander war, sah es auf der Bühne eigentlich ganz gut aus. Auf Grund des Platzmangels wurde da natürlich getrickst, geschummelt und gebaut, was das Zeug hielt. Da wurden unschuldige Cases einfach mal mit gaaaaaaaanz viel Gaffa verzurrt und an einen Gitarrenständer genagelt... so das hält schon! Das Amt für Arbeitsschutz hätte seine wahre Freude an uns gehabt. Aber es hielt tatsächlich alles und funktioniert hat es ja auch... also! Auf jeden Fall sah die Bühne so voll bebaut richtig fett aus! Nur Schlagzeuge, Bässe und Gitarrenamps und ganz viel Licht... einfach nur geil!!!

Der Soundcheck war dann das 2. Highlight an dem Tag. Im Prinzip haben 2 Bands gleichzeitig versucht, irgendetwas einzustellen oder einstellen zu lassen. Das endete natürlich in einem heillosen Durcheinander... nach 20 Minuten wurde das dann durch die leitenden Tonmeister vor Ort erkannt und konsequent unterbunden... einer nach dem anderen bitte! Wir waren natürlich alle heiß wie Frittenfett. Jeder wollte, dass genau sein Instrument besonders gut klingt. Aber jetzt musste man warten, warten, warten und nochmal warten!

Und glaubt mir, es gibt nichts schlimmeres, als in einem saukalten Zelt, ohne Alkohol und Frauen, ohne was zu essen, mit 10 anderen Musikern dazustehen und sich die Beine in den Bauch zu warten, warten, warten... Außer... wenn das ganze dann auch noch durch einen halbstündigen Schlagzeugsoundcheck untermalt wird. Naja... auch das ging irgendwann vorbei und dann war man selber dran. Und jetzt wurde es auch wieder lustig. Der Sound, der auf der Bühne gefahren wurde, war abartig geil. Schön laut und richtig satt. Das gefiel insbesondere meinem Sangeskollegen, dem Herrn Schlegel, nicht. Der meinte doch tatsächlich, ich wäre zu laut auf der Bühne?! ICH? NIE! BITTE?! Frechheit! Wie kann mein engelsgleicher Singsang in auch nur irgendeiner Form zu laut sein?
Zum Glück sahen das die, zuvor von mir vorsorglich mit Alkohol bestochenen, Akkustikverwalter ähnlich und ließen mich schön laut! Ha! Was das angeht, bin ich doch ein alter Hase „Carschti“! Net mit dem Commander!

Ich glaube aber, wir haben dann tatsächlich eine Lautstärke gefunden, die für alle angenehm war. Auf jeden Fall klang es gut, was da aus den Boxen kam. Alle zehn Mann auf der Bühne grinsten sich an und waren jetzt wieder frohen Mutes...

Mittlerweile war es kurz vor 21 Uhr. Die ersten Gäste kamen und die Vorband war schon fast spielfertig. Wir gingen derweil erstmal an die Tränke. Hier gab es dann auch gleich wieder die pure Ernüchterung.

Die Nahrung, auch die flüssige, wurde rationiert. Und glaubt mir, ich trinke wirklich nicht viel. Aber selbst ich habe gesehen, dass das nie für uns alle reichen wird. Die Kunde über diesen Umstand verteilte sich natürlich in Windeseile im ganzen Zelt, so dass aus allen Ecken plötzlich Musiker hektisch angeschossen kamen und sich noch einen Rest des edlen Nass sichern wollten. Zumindest zu essen war genug da. Der Metzger des Vertrauens hatte seinen lecker Stand aufgebaut und für die erlesene Meute was leckeres angebraten und wir haben es genossen. Das war wenigstens warm. Aber mittlerweile war auch die Heizung im Zelt an und es wurde tatsächlich langsam warm... Schönet Ding!

Der Veranstalter, ich nenne ihn mal Rolf B. aus P., hat sich dann noch bereit erklärt, eine Flasche Kräuter in die hungrige Musikermeute zu werfen, was die Bestien natürlich nur noch aggressiver gemacht hat. Ok, vielleicht übertreibe ich ein wenig. Aber sonst wäre es ja auch langweilig!

Auf jeden Fall hat der erste Alkohol gereicht, um die aufkeimende Nervosität zu bekämpfen. Das Zelt wurde immer voller, die Vorband spielte bereits und wir versuchten uns irgendwie abzulenken... Scheiße! Jetzt war es also gleich soweit. Die ersten Treffen, das Aussuchen, die endlosen Proben... hat sich all das gelohnt und vor allem, wird es so klappen, wie wir es geprobt haben... naja, oder vielleicht sogar besser, nämlich richtig?! Ich musste dann erstmal weg.

Also ab hinter die Bühne, hinlegen, durchatmen. Meine Entspannungsphase dauerte genau 60 Sekunden. Da kam mein lieber Fussel um die Ecke geschneit und riss mich aus meinem Schlaf. Sein Job war es, am Einlass zu stehen und die guten Menschen reinzulassen und die schlechten wieder nach Hause zu schicken. Nebenbei hatte er noch 3 willige Helfer, die den Guten dabei noch 6 Euro aus dem Kreuz geleiert haben. Auf jeden Fall stand die Kasse draußen und mein langhaariger Engel fror sich seinen süßen Arsch ab. Also schnauzte ich ihn erstmal an und gab ihm dann meine Jacke... soviel Zeit muss sein!

Na gut, nachdem ich meine Aggressionen langsam aber sicher abgebaut hatte, war es dann auch schon fast Zeit.

Die Vorband kündigte ihren letzten Song an und ich wusste, jetzt geht’s los. Hinter der Bühne herrschte schon reges Treiben. Irgendwann kam dann auch Carsten um die Ecke und teilte mir erstmal frohen Mutes mit, dass er sich aus angeblich rein medizinischen Gründen seinen kompletten Mageninhalt nochmal ansehen wollte, bevor dieser verdaut war. Um diesen Zustand zu erreichen, hatte er wohl etwas zu viel von einem klaren und hochprozentigen Beruhigungsmittel zu sich genommen. Keine Ahnung, wie er da rangekommen ist. Wahrscheinlich hatte der Sack einen Sonderdeal mit Rolf B. aus P. Zum Glück war er aber wieder fit!

Also dann... nochmal alle die Händchen reichen, umarmen, knutschen und dann ging’s hoch auf die Bühne. Scheiße!

Das Zelt war mittlerweile sehr gut gefüllt. Das lies hoffen... Was haben wir uns im Vorfeld nicht alles für Gedanken gemacht, ob überhaupt jemand kommt, wie das wohl ankommt, wenn wir zusammen spielen, ob das jeder versteht und für gut befindet... was wir uns da überlegt hatten... oh man... Egal, jetzt gab es eh keine Zurück mehr! Licht aus.

Alle Gitarren gestimmt? Totenstille im Zelt... jeder guckte nochmal um sich, ob die anderen fertig sind und dann... ging’s los...

...erst ganz leise, wie aus dem Nichts und dann immer lauter legte sich ein warmer, weicher Keyboardteppich langsam übers Zelt... irre! Ich hatte Gänsehaut vom Kopf bis zu den Füßen! Ungelogen!

"Where the streets have no name"... alter Schwede... so muss ein Konzert anfangen! Geil!

Dann kamen die beiden Klampfen dazu... ganz langsam... Mick und Karsten spielten die Scheiße mit derartig viel Herzblut, dass ich sofort hätte sterben können... Irre! Zeitgleich setzten dann Rene an der dritten Klampfe, Christoph und Basti an den beiden Schlagzeugen und Ralph und Müllek an den Bässen ein. Hammer! Alles saß, lief und rummste wie die sprichwörtliche Sau! SCHÖNET DING!!! Als Carsten dann noch anfing, die ersten Zeilen zu singen, dachte ich echt, es ist Zeit zu gehen, weil schöner kann es nicht mehr werden... Aber wer geht schon in so einem Moment?! Es war so genial! Vor lauter Euphorie hätte ich fast noch meinen Einsatz verpasst. Aber irgendwie macht man in so einer Situation alles richtig. Ich hab nicht groß darüber nachgedacht, was ich wie machen muss. Das hat, glaube ich, keiner auf der Bühne. Alles lief irgendwie wie in einem Film, in dem man selbst ’ne Nebenrolle hat. Genial! Es war einfach perfekt.

Die Leute standen da im Publikum und ich hoffe, sie haben nur einen Bruchteil von dem mitbekommen, was da oben passierte. All die Anspannung, die sich da im Laufe der Wochen angesammelt hatte, wich plötzlich einem riesigen Grinsen. Carsten und ich, wir standen da und waren umringt von lauter grinsenden und groovenden Chaoten, die, glaube ich, auch nicht wussten, was da grad ablief.

Rene stand am rechten Bühnenrand, direkt neben Mick... oh man... wenn ich das schreibe, muss ich jetzt noch lachen... die haben sich gegenseitig angesehen, als hätten sie gerade den heißesten Sex ihres Lebens miteinander! Die beiden Basser, Ralph und Müllek, standen mit Karsten am linken Bühnenrand und waren glaube in einer ganz anderen Welt! Zumindest waren sie weit weg von allem weltlichen und irgendjemand hatte ihnen ein tiefes Grinsen ins Gesicht gemeißelt! Irre!

Nachdem der allererste Song, den wir jemals gemeinsam gespielt hatten, so genial über die Bühne gegangen ist, waren wir uns alle so was von sicher, dass uns jetzt nichts mehr passieren könnte, dass tatsächlich alles wie von selbst lief. Wir waren selbstsicher und fegten auf der Bühne herum, schrieen und tanzten... irre! Die Stimmung hat sich dann auch auf die Leute im Zelt übertragen. Schon von Anfang an waren die so derartig geil drauf, dass bis zum Mischpult alles voll stand und tanzte! Die tanzten einfach und sangen mit... und das um kurz nach 22 Uhr!? Irre! Hätte mir das vorher jemand erzählt, hätte ich ihn für bekloppt erklärt! Aber es war so... ringel die Natter! RIESENKOMPLIMENT und hier schon mal DANKE!!!

Man kann das nicht beschreiben... Es hat einfach alles funktioniert. Ob es Renes „Little respect“ war oder unser „Reason“ von hoobastank... alles rockte wie die Sau und ging voll auf die Omme! Schönet Ding!

Ich weiß jetzt im Einzelnen gar nicht mehr, was wir so alles in der ersten Runde gespielt haben... Ich weiß nur noch, dass wir „Lass die Sonne rein“ seit langem mal wieder in ’ner richtigen Rock’n Roll Variante mit Gitarrensoli von Mick und Rene und ’nem irren Hammertastensolo von olle Kamuffe (vielen Dank für diesen Spitznamen!) gespielt haben! Das war ganz großer Rock’n Roll-Dreck – herrlich!!! Dazu hat Carsten dann die Strophen gesungen und der Rest von uns hat den Refrain dazu gegeben. Coole Sache! Unklar, was alles geht, wenn man sich traut und will... und das Zelt hat immer noch getobt! ... und schon wieder Danke!

Ein weiteres Highlight in der ersten Runde war natürlich „Highway to hell“, gesungen von Karsten himself! Das geht gar nicht, was der schmale Kerl das abdrückt – hammerhart! Rene hatte sich dazu eigens stilecht in eine Schuluniform gepresst, die wahrscheinlich schon sein Großvater getragen hat und sah damit noch geiler aus, als... alle! Mick durfte dazu Klampfe spielen. Und man hat ihm angesehen, dass er es am liebsten ’ne halbe Stunde durchgezogen hätte. Aber den Wunsch konnte ihm keiner erfüllen. Leider! Ich hätte es gern getan, weil es einfach gerockt hat!

Die erste Runde verging wie im Flug, viel zu schnell! Aber ich war auch froh, dass ich dann erst einmal Ruhe hatte und unters Sauerstoffzelt konnte. Dieser junge „Hansspringindieluft“ neben mir hat mich ganz schön auf Trab gehalten. Der hatte doch irgendwas genommen, Kaffee, Coffein oder Abführmittel... ich weiß es nicht. Was wir da auf der Bühne rumgesprungen sind, das ging gar nicht. Wobei ich mich eigentlich gar nicht bewegen wollte. Aber ich musste ja den fortwährenden, feindlichen Angriffen des Mikrophonständerakrobaten ausweichen. Darüber reden wir noch Herr Schlegel... aber erst, wenn meine Wunden wieder verheilt sind!

Erste Pause und ich war im Arsch... stolz auf das, was wir da alle auf der Bühne abgedrückt haben und überwältigt von der Begeisterung, die das Publikum uns zurückgegeben hat. Das war der Hammer!

In der Pause verpieselte ich mich erst mal schön Backstage und hab erst einmal versucht, mich irgendwie wieder runterzufahren. Nach 10 Minuten ging das dann auch so halbwegs und ich konnte mit ansehen, wie die Horizonter „alleine“ das Zelt rockten! Irre! Jetzt hatte ich auch mal die Möglichkeit, die vollgebaute Bühne mit Musikern und Licht und Publikum und allem drum und dran zu sehen und zu hören. Und es sah nicht nur galaktisch aus, sondern klang auch noch richtig fett! Schönet Ding!

Basti und Christoph drückten dann noch ein eigens für diesen Abend einstudiertes Schlagzeugsolo mittendrin ab. Oder sie wollten es gerade... egal... der Wille zählt und dabei sein ist alles!

Ich nutzte die Gelegenheit dann auch gleich mal, um ein paar bekannten Gesichtern guten Tag zu sagen. Und es waren eine Menge da... ’ne ganze Menge sogar! Man kam aus dem Händeschütteln gar nicht mehr raus. Wenn ich in dem Trubel doch irgendjemand vergessen haben sollte... Sorry! Das war wirklich keine Absicht!

Nach so ’ner halben Stunde Weinchen trinken und quatschen stellte sich dann auch in mir so langsam ein angenehmes Gefühl ein. Von jetzt an hab ich nur noch genossen.

Die Horizonter waren dann leider Gottes viel zu schnell fertig, so dass ich die Entspannungsphase gar nicht so richtig auskosten konnte. Aber das war mir dann auch egal. Ich war einfach nur heiß darauf, endlich wieder auf die Bühne zu kommen und die Bude zu rocken! Mittlerweile war es gut halb Eins und das Zelt war brechend voll. Die Leute waren bis dahin saugeil drauf und das sollte auch bis zum Schluss so bleiben. Es war einfach nur genial! Die Leute sind abgegangen wie Schmidts Katze auf Kaugummi... mitgesungen, abgetanzt... einfach nur der Hammer! Bei "All the small things" hat es dann mal eben bündig die komplette Monitoranlage entschärft. Die Leute haben einfach so derbe getanzt, dass die zugegeben - mutige Konstruktion - einfach runtergefallen ist. Zum Glück wurde niemand verletzt. Danke nochmal Cippe! Es war obergeil, brechend voll und scheißenheiß in dem Zelt. Ich hab getrieft wie ’ne fettige Pommes und gesuppt wie ein Mettbrötchen in der Mittagssonne... ekelhaft! Die Leute auf der Tanzfläche hatten allesamt dann irgendwann puderrote Bäckchen und schweißnasse Haare... Das ist Rock’n Roll!

Selbst bei unseren eigenen Sachen, wo wir uns im Vorfeld übelst Gedanken gemacht haben, ob die Leute das in so ’nem „Coverzelt“annehmen werden, sind einfach nur nach vorne gegangen. Das obligatorische Ende dann mit „Lass uns leben“ und ich war glücklich! Jetzt hätte ich auch sterben könne...

Von jetzt ab war mir wirklich alles scheiß egal. Die Leute hätten uns alles verziehen... jeden Fehler... alles! Die wollten einfach nur tanzen.

Und genau dafür war die 4. Runde gemacht... tanzen, tanzen, tanzen! Obergeil!

Die Ärzte, Sportfreunde Stiller, Wir sind Helden... alles lief wie die Sau! Und die Leute haben jeden Titel mitgesungen... jeden! Herrlich! Da konnte keiner ruhig auf der Bühne stehen... nee... der kleine „Hansspringindieluft“ hielt mich wieder ordentlich auf Trab. Klar, der hatte ja auch ’ne gute Stunde Pause gehabt und konnte Kräfte sammeln. So wie der abging, hing der ’ne halbe Stunde an ’ner Hochspannungsleitung. Ich leider nicht. Aber man musste sich bewegen auf der Bühne und wenn es nur deshalb war, um den anderen auszuweichen. Das ging soweit, dass sich Carsten sein Seelenheil im Publikum suchte. Er versammelte einfach eine Heerschar von Tanzwütigen vor der Bühne, zwang sie unter Waffengewalt, die Arme in die Luft zu nehmen und sprang hinein. Sah gefährlich aus. War es auch, weil er dann wohl doch schwerer war, als die Mädels sich das Gedacht hatten... das ist alles Sack! Deshalb macht das bei uns keiner... wir würden mit unseren 125kg Abtropfgewicht wahrscheinlich allesamt einen riesigen Krater ausheben. Aber dem Burschen ist zum Glück nix passiert. Und selbst wenn... der stand so unter Strom, der hätte wohl frühestens am Montagmorgen was davon gemerkt.

Es folgte ein Kracher nach dem anderen... Das krachte und rumste an jeder Ecke des Zeltes. Alle waren endgeil drauf. Selbst als dann mein persönliches Lieblingslied "Kling klang" - der Würgcovertitel der letzten 20 Jahre - auf dem Zettel stand, hab ich mich gefreut.

Ich hab mir mal geschworen, dass ich das Lied niemals spielen werde. Aber Carsten hat mich überzeugt, dass der Song immer gut ankommt im Publikum. Also zwangen wir unseren gut aussehenden Michi mit ganz viel Geld, "Kling klang" für die Menschen in Prießnitz zu singen. Und er hat es gemacht. Er ließ sich ja erst ein wenig betteln, aber dann hat er es mit einer derartigen Inbrunst auf der Bühne gelebt, dass ich schon fast Angst bekommen hab... "Kling klang"... ohne Worte!

Irgendwann, es muss so halb Drei gewesen sein, tauchte dann inmitten der tanzenden Meute ein älterer, grauhaariger Mann auf, den ich bis hier hin erfolgreich aus meinem Geiste verdrängt hatte... Rolf B. aus P. Mit eindeutigen Handzeichen und giftigem Blick versuchte er mir klarzumachen, dass wir noch genau einen Song spielen dürften. Watt?! Ich meine, das geht doch wohl gar nicht! Das Zelt ist voll, die Leute tanzen und singen sich die Seele aus dem Leib und wir sollen Schluss machen? Nee!

Carsten und ich waren sofort einer Meinung und beschlossen, die giftigen Blicke zu ignorieren. Wir hatten ja schließlich noch ein paar Titel im Programm. Und die wollten wir auf jeden Fall spielen. Rolf B. aus P. schien sich damit auch abzufinden. Auf jeden Fall trat er mit gesenktem Kopf den Rückzug zu seinem Bierwagen an und wir machten weiter. Jawohl! Haha! Rock’n Roll Rules...! "Don’t you" und das Zelt tobte immer noch, tanzte und schwitzte! Ein irres Gefühl!

Irgendwann sah ich diesen grauhaarigen Spielverderber aber wieder am Bühnenrand stehen. Diesmal war sein Blick nicht giftig sondern tötend! Ok, ich hab verstanden... Feierabend!

Wir standen plötzlich alle auf der Bühne und wurden so derartig in die Realität zurückgeschossen. Ich hab echt gedacht, der Abend würde nie enden.

Und nun war es plötzlich soweit. Aber ich wollte noch nicht aufhören, nicht so. Wir guckten uns alle ziemlich ratlos an. Keiner wollte von der Bühne. Was tun sprach Zeuss!? Zum Glück waren die Leute im Zelt so geil drauf und haben lautstark nach Zugabe verlangt, dass selbst der Einfältigste eingesehen hat, dass wir noch mindestens einen Song als Dankeschön spielen müssen. Und das war..."Beautiful day" - U2.

Ich glaube, ein perfekteres Ende hätte es nicht geben können. Mit U2 anfangen, mit U2 aufhören und zwischendrin einfach nur eine geile Show erleben... Ja, es war perfekt! Man hat bei allen Leuten auf der Bühne gemerkt, dass jeder nochmal alles, wirklich alles gegeben hat. Es war der Hammer! Wir spielten nochmal in der kompletten Besetzung... Ich hatte wieder Gänsehaut vom Nacken bis an die Zehnägel... ein unglaublicher Moment, den ich wohl nie vergessen werde. Dankeschön!

Leider war es danach wirklich vorbei... Ende und Feierabend. Hinter der Bühne sind wir uns dann alle erstmal um den Hals gefallen und haben uns gegenseitig gesagt, wie geil wir waren! Und verdammt, wir hatten Recht! Wir waren wirklich geil! Die Leute waren geil! Alles war geil!

Wir saßen noch bis 5, 6 Uhr im Zelt und haben erzählt... Ich werde lange brauchen, um den Abend zu verarbeiten. Aber eines steht fest... ich werde ihn nie vergessen! Riesen DANKESCHÖN an alle Leute, die da waren! Ihr wart großartig und einfach überwältigend!

Ich hoffe, wir können das in irgendeiner Form nochmal wiederholen...

 

Danke! derMax