09.10.2004 Weißenfels – Centra Gourmet
In Weißenfels zur Kneipenmeile zu spielen, das ist fast schon so eine Art Tradition. Wir spielen hier jetzt schon das 4. oder 5. Mal und bisher war es immer geil! Ich will nicht gleich wieder alles verraten, aber es sollte sich diesbezüglich nichts ändern...
Also... los ging es um 16 Uhr am Proberaum. Als Fussel und ich da eingetroffen waren, hatten die fleißigen Hasen schon fast den ganzen Kram im Fahrstuhl verstaut. Aus Sicherheitsgründen hatten Fussel und ich mich ein wenig verspätet. Wir kamen aber nicht ganz drumrum, die eine oder andere Box trotzdem noch tragen zu müssen. Die Stimmung war dennoch gut. Schließlich wußte auch jeder, daß der Abend eigentlich nicht schief gehen kann. Das Wetter war für Oktober auch erschreckend gut und so waren wir nach ca. 20 Minuten gut gelaunt und abreisebereit. Wie üblich war das erste Ziel nach dem Einräumen die nächstgelegene Tankstelle zur Regulierung des körpereigenen Flüssigkeitshaushaltes. Aber entgegen meiner schlimmsten Erwartungen verdiente der Tankstellenpächter nicht etwa an Bier, Wein oder gar BeamCola an uns... Nein! Mick bestimmte alkoholfreies Bier zum Getränk des Tages, ich selbst wählte den ehrlichen 2l Tetrapackkirscheistee und unsere Basti krönte das ganze mit einem halben Liter ehrlicher Heidelbeermilch! Das ist Rock´n Roll! Ich bin ehrlich... von dem Moment an wußte ich, daß ich alt werde. Ich meine mal so unter uns... kann sich irgendjemand Keith Richards im Tourbus vorstellen, wie er sich einen Salat mit ‚nem Reiskeks und ‚ner Erdbeermilch reinschiebt?! NEIN! Und der Mann ist Rock´n Roll! Ich dachte mir aber egal... solange wie die Jungs noch Rauchen und über den vorehelichen Geschlechtsverkehr referieren, ist die Welt noch in Ordnung.
Bevor wir von der Tanke, welche im übrigen wirklich nur 1 Minute vom Proberaum entfernt ist, wieder losfahren konnten, mußte natürlich noch die Frage geklärt werden, wer ca. 12h später der Volldepp sein wird, der uns heile wieder nach Jena fährt. Die Nächte in Weißenfels werden immer recht lang. Meistens entdecken wir dann so ab 3 Uhr morgens, wieviel Keith in uns steckt...
Zur Lösung der Fahrerfrage wurde der gute, alte Würfel zu Rate gezogen.
Ralph eröffnete mit einer glamorösen „2“. Das Gelächter und die Freude war groß – viel schlechter ging es ja nicht. Doch Basti zeigte uns mit souveräner Gelassenheit, daß unter der „2“ noch die „1“ liegt. Allgemein war großes Gelächter angesagt. Schlechter als „2“ schafft nur Basti. Damit waren wir anderen so gut wie raus... haben wir gedacht.
Als dritter nahm ich siegessicher den Würfel in die Hand, schüttelte 3x aus dem Handgelenk und ließ den Glücksbringer lässig auf den Asphalt fallen. Zu meinem Entsetzen mußte ich feststellen, daß die Wahrscheinlichkeit, daß 2 Leute in einer Runde eine „1“ würfeln, gar nicht so unwahrscheinlich ist. Sinnlos... ich will nicht fahren! Bei Basti kehrte langsam wieder die Farbe ins Gesicht zurück, daß er drumrum kommt zu fahren...
Ok... Fussel ließ keine Frage offen und beendete seine Ungewissheit mit einer sicheren „4“ (Weiberglück!). Mick reihte sich todesmutig und aus grenzenloser Sympathie zu seinem Frontmann mit einer gewollten „1“ in die Reihe der Versager ein. Das ließ Henne natürlich nicht auf sich sitzen und schob den Würfel ebenfalls in die „1“. Also wenn eine Band Glück in der Liebe haben muß, dann wir. Denn im Spiel ist es nix. 6x würfeln und dabei 4 Einsen. Dat is nüscht!
Also auf zur 2. Runde. Basti nahm ganz selbstsicher das eckige Spielgerät und ließ es sanft wieder aus der Hand gleiten. Aber irgendwie war der Würfel wohl von Bastis Selbsthilfegruppe der anonymen Alkoholiker gesponsert worden. Auf jeden Fall konnte man auf dem Würfel wieder nur ein mageres Pünktchen erkennen. Das ist ’ne arme Sau! Bastis Blick entglitt erneut und versteinerte sich anschließend. Aber noch war nicht alles verloren. Ich selbst entzog mich sämtlichsten Spekulationen mit einer traumhaften „4“. YES! Der Abend war gerettet! Nur Michis Abendgestaltung geriet etwas durcheinander, als er mal eben im Handumdrehen sämtlichste Wahrscheinlichkeitsberechnungen ad absurdum führte und sich nochmals mit einer „1“ um den Posten als Starpilot des Bandbusses um 5 Uhr morgens bewarb.
Henne stand wie ’ne „1“, würfelte aber eine „5“. So ging es also in die 3. Runde zum finalen Stechen. Mick oder Basti... keiner von beiden wollte fahren. Aber einer würde müssen... Ok, Basti nahm mit schweißnassen Fingern den Würfel auf, liebkoste ihn mit seinem Blick und führte ihn fast zärtlich auf den kalten Stein. Nach endlosen Sekunden blieb der Würfel dann stehen und es stand da eine „4“! Sauber Baby! Mick fuhr der Schock in die Glieder! Eine „4“... das ist nur schwer zu toppen. Ich glaube, innerlich hatte er sich schon die Busschlüssel gegriffen und sich dabei von sämtlichsten Alkoholaktivitäten am Abend verabschiedet. Aber probieren wollte er es trotzdem. Und so ergriff er seine Chance, holte tief Luft, hob den Würfel auf, schüttelte dreimal kräftig und schmiss ihn einfach in die Luft... wie im Film... sechs erwachsene Männer, die einem Würfel hinterherstarren...! Nach ca. 10 Minuten, also so ungefähr..., landete er dann irgendwann auch wieder... und wie viele Punkte konnten wir auf der Oberseite zählen? Nicht einen, nicht zwei, nicht drei, auch nicht vier... nein sechs! Sechs Punkte würfelt der Hannes... und Basti war mal wieder der große »Gewinner«! Hut ab und Glückwunsch!
Na gut, jetzt hab ich soviel über das Würfeln geschrieben, daß ihr wahrscheinlich schon gar keinen Bock mehr habt, noch irgendetwas von dem Auftritt zu lesen. Für die schmerzunempfindlichen von Euch erzähl ich es aber trotzdem.
Also, gegen 17 Uhr sind wir in Weißenfels eingefallen. Wir kannten uns ja schon bestens aus und fuhren direkt auf den Marktplatz. Die Chefin erwartete uns schon und strahlte ein wenig Unruhe aus. Egal, weil wir ja eh von der ganz schellen Truppe sind. Also aufgebaut und Sound gecheckt (geil!). Lief alles wie am Schnürchen. Nur Fussel, der an diesem Tag das erste Mal für die komplette Lichtanlage verantwortlich war, nervte die Veranstaltung schon beim Aufbauen mit permanentem Lichtgeflacker – da wirst Du cremig in der Birne! Aber unsere Lichtschlampe ließ sich gar nicht aus der Ruhe bringen und testete alle Programme seiner Lichterorgel im Detail.
Der Soundcheck war dann relativ schnell erledigt und so hockten wir dann erst mal in einer geselligen Runde beim Bierchen zusammen.
Ich hatte mich auf diesen Tag speziell vorbereitet und hatte schon mal den Ablauf der ersten Runde aufgeschrieben. Normalerweise entscheidet sich der Ablauf immer mitten in der ersten Runde. Das mach ich wie ich lustig bin. Das Problem ist, es verstehen nicht immer alle das gleiche, wenn ich ihnen auf der Bühne den nächsten Song ins Ohr brülle. Und so spielt dann auch manchmal jeder das, was er eben verstanden hat... Auf jeden Fall wollten wir das mal anders machen und nutzten die gewonnene Zeit, zum Schreiben der kompletten 4 Runden. Schönet Ding!
Irgendwann kam dann das Essen. Nudeln und Tomatensoße – lecker!
Die Teller an sich waren riesig groß, nur die Vertiefung, wo die Nudeln ihr vorübergehendes zu Hause hatten, war winzig klein. Dementsprechend sahen auch die Portionen aus. Mick opferte aber großmütig den Rest seiner Schlachteplatte und so stellte sich dann auch bei mir irgendwann ein Sättigungsgefühl ein... just in dem Moment, als die Chefin kam und den Marschbefehl zum Spielen gab. Hey! Ich bin Rockstar, ich hab grad gegessen und außerdem bin ich noch total nüchtern. Wie soll ich denn jetzt Musik machen?! Aber die Chefin zeigte sich genauso unbeeindruckt, wie Fussel stunden zuvor. Irgendwie nimmt mich da keiner mehr ernst!
Naja, wir also vor, Instrumente um und los ging es. Wir hatten in unserem Rundenschreibewahn gar nicht mitbekommen, daß tatsächlich schon Gäste da waren. Und es war grad mal kurz nach Acht!
Na gut, Rock´n Roll ist wenn es trotzdem funzt! Und scheiße noch mal... es funzt! Der erste Ton war gespielt und schwups... war ich nicht mehr satt sondern hungrig auf die Mugge! Schönet Ding!
Ich mußte feststellen, daß wir wesentlich besser klingen, wenn wir alle das gleiche Lied zusammen spielen. Das lag wohl an dem zuvor festgelegten Ablauf... auf jeden Fall klang es gut und die Leute, so 50 werden es wohl gewesen sein, waren schon um kurz vor Neun in Partylaune. Die erste Mitsingstelle bei „Devil“ wurde brutalst ausgenutzt und mit Leben gefüllt. Samstag, kurz vor Neun – Weißenfels tobt - auch schönet Ding!
Nach der ersten Runde wußte ich, daß auch dieser Abend in Weißenfels wieder richtig geil werden wird. Es war einfach nur immer geil. Klar kamen und gingen die Leute immer mal wieder, das ist normal bei einer Kneipenmeile. Aber der Saal war immer voll und die Stimmung wie immer gut! Ab elf Uhr war es dann brechend voll und man mußte sich den Weg zur Toilette wirklich erkämpfen. Das hat auch was positives... es ist für alte Menschen z.B. fast ein wenig wie Sex, so diese halbnackten, verschwitzten Leiber, die aneinander kleben... Huaaahhaaa...! Aber wem´s gefällt?!
Entgegen meiner üblichen Angewohnheit, sehr bescheiden zu sein, hab ich an dem Tag mehr als 100x erwähnt, gebrüllt und gepredigt, daß wir eine neue CD haben. Das stimmte nicht nur unseren Henne glücklich, sondern auch unsere Kasse. Vielleicht werd ich ja so doch noch irgendwie reich! Aber es ist schon seltsam... .man denkt immer, die Leute wüßten, daß wir eine CD haben. Wissen sie aber nicht. Naja, ab jetzt werde ich wohl mal wieder öfter das eine oder andere Loblied auf unseren Silberling singen. Was er ja auch verdient hat! So!
Durch unsere präzise Vorbereitung, was die Rundenabläufe angeht, lief alles wie am Schnürchen. Fast jeder von uns wußte, wann, was gespielt wurde... nur am Ende der 3. Runde, nach „Hoobastank - The Reason“, fehlte mir dann echt die Puste für „Pride“. Also haben wir es nach hinten verschoben. Das sollte sich aber als äußerst positiv herausstellen, weil wir so noch eine richtig gute Nummer für die Zugaben hatten!
Aber ich war eigentlich hier schon komplett durchgeschwitzt... Ich werde hier aus Ästhetikgründen nicht näher ins Detail gehen, aber schön war das nicht!
Mitte der 4. Runde, Weißenfels tobte noch immer, wurde es dann noch voller... nun kamen wahrscheinlich alle Leute kostenlos rein oder ich weiß es nicht...
Auf jeden Fall ging jetzt der Punk ab. Ständig stieß mir irgendein tanzwütiger Körperlegastheniker gegen mein Mikrofon. Aber beschwer ich mich? Nein! Ich war froh, daß die Leute so gut drauf waren, tanzten und sangen! Natürlich wollten sie uns dann gegen halb Zwei noch nicht gehen lassen. Also Zugabe, unter anderem eben auch „Pride“ und „Don’t you“. Aber auch dann war noch nicht Schluß. Also auch nochmal Zugabe. Ich weiß jetzt gar nicht mehr was. Ich weiß nur noch, daß mich Basti schon vor der allerersten Zugabe mit flehendem Hundeblick angewinselt hat, zeitnah Schluß zu machen, weil er mal dringlichst ein durchaus menschliches Bedürfnis zu erledigen hatte. Der Blick wurde mit fortschreitender Zeit natürlich immer verklärter. Aber ich blieb hart. Und noch einen... Irgendwann, so nach der 5. Zugabe, stand er dann auf und sagte, daß er jetzt wirklich mal müsse... sprach es, sprang auf und wart nicht mehr gesehen... Gut dann machen wir eben Feierabend. Wurde aber auch Zeit, denn ich war echt im A.... Nach einer geschätzten halben Stunde kehrte unser dünnblasiger Würfelgott dann mit einem Lächeln in den Saal zurück. Keine Ahnung, warum das so lang gedauert hat und ob sein Lächeln tatsächlich nur seiner erleichterten Bl ase zuzuschreiben war... aber egal...
Mit Smalltalk und Geflirte ging es dann so bis Fünf, so daß wir letztendlich gegen Sieben im Bett lagen. Unser Herr der Würfel war natürlich der letzte, der seinen Schlaf gefunden hat. Aber eines steht auch für ihn fest: Jede Sekunde in Weißenfels, bis auf die sinnlose Abbauerei morgens um Fünf, war jede einfach nur geil! Kneipenmeile in Weißenfels – schönet Ding! derMax