24. und 25.07.04 Triptis – Butzemannfest
Es geschah in einer lauen Frühlingsnacht... der Himmel war sternenklar und die Grillen zirpten im sanften Schweif des Mondenscheins...
Mehr weiß ich nicht mehr...
Doch... wir hatten gerade Probe, als mein Handy klingelte. Am anderen Ende der Leitung meldete sich ein Herr Mario Anske, seines Zeichens Frontmann von „Biba & die Butzemänner“ und fragte mich, ob wir nicht Lust und Zeit hätten, zum Butzemannfest 2004 zu spielen?!?
Ob wir Lust hätten? Klar! Ja! Sicher! Auf jeden Fall hatten wir Lust! Und Zeit? Egal!!! Ich will!
Als ich meinen musikalischen Mitstreitern von den guten Nachrichten berichtet hatte, konnte die Probe natürlich nicht alkoholfrei zu Ende gehen. Einzelheiten über diesen sehr lustigen Abend werden aber aus Jugendschutzgründen hier nicht veröffentlicht!
Gut, wir spielen also zum Butzemannfest. Coole Sache! Für den unwahrscheinlichen Fall, dass der geneigte Leser hier nichts mit dem Begriff „Butzemänner“ und „Butzemannfest“ anfangen kann, erkläre ich es hier noch mal in Kurzform: also, „Biba & die Butzemänner“ ist die wohl angesagteste Fun-Rock-Coverband all over the universe! .. .muss man gesehen haben! Menschen, vor denen uns unsere Eltern gewarnt haben, machen nichts weiter als Party und fahren dazu noch den fettesten Sound from überall!
Und dieser Haufen feiert sich aus gegebenem Anlass alljährlich selbst mit einem eigenen Musikfestival. Das Ganze nennt sich dann Butzemannfest und sollte nun zum 10. Mal stattfinden. Das bedeutet Party, Frauen, Alkohol...! YES!
Wie ihr sicher wisst, verabscheue ich diese Freizeitgestaltung zutiefst. Aber was will man machen, wenn man mit einem Haufen völlig willenloser, alkoholgetränkter Popogucker zusammen Musik macht?!
Nein, im Ernst...wir waren alle heiß auf diesen Tag.
Schließlich sollten wir neben den Butzemännern auch noch mit „O-Zone“ auftreten. Jaaahhaa... kriegt Euch wieder ein ihr Hasen... so schön waren die gar nicht! Ehrlich nicht! Ralph Peter ist gegen die drei ein echtes Nasenmodell!
Also wir wussten, dass am Freitag die Butzemänner auf dem Festgelände spielen sollten, Samstag dann wir, die Butzemänner und O-Zone und Sonntag war dann großes Bandtreffen und Feierei angesagt. Mario Anske und Papa Helmut feierten 20 und 40 !!! Jahre Bühnenjubiläum. Sauerei und Hut ab!
Aber dazu später mehr...
Wir haben uns also am Samstagmittag im Proberaum getroffen, um zumindest unsere Instrumente einzuladen. Anlage etc. stand ja schon vom Vortag. Das Wetter war königlich. Sonne, Sonne, Sonne! So wie Papa das mag!
Nach einer Stunde Fahrt und mehreren gelehrten Flaschen Wasser, ich bin ja gefahren, sind wir dann in Triptis auf dem Festivalgelände angekommen.
Mitten auf einer großen Wiese stand da ein riesiges Zelt mit einer richtig schicken Bühne und drumherum eine Menge Bierwagen und Gedöns...
Direkt am Empfang begrüßte uns Mario höchstpersönlich. Glaubt mir, auch Rockstars können nicht 24h am Tag perfekt aussehen. Als Grund für sein leicht zerknittertes Gesichtsmuskeloutfit gab er nach erfolgter Belehrung an, dass der Freitagabend wohl etwas ausgeartet ist, musikalisch und alkoholtechnisch. Man muss die Feste feiern, wie sie fallen...! Und das haben sie getan. Mario führte uns dann erstmal übers Gelände. Nach und nach kamen dann auch die restlichen Kaputten aus ihren Löchern gekrochen und hielten ihre faltigen Körper Richtung Sonnenlicht. Gut, das war nicht so schön... aber ich bin dank Ralph Peter Tausendschön durch eine harte Schule der optischen Grausamkeiten gegangen – eigentlich die härteste! Von daher kann mich so schnell nichts mehr schocken!
Aber sie waren alle nett, sehr, sehr nett!
So wurden wir erstmal mit dem notwendigsten versorgt... wer, wann, wo, was, wie machen muss, wo, was steht... und Bier gab’s auch. Ich sag ja, die waren wirklich nett! Das Bier beruhigte auch meine zottelige Herde für die nächsten 10 Minuten. Dann musste Papa erst mal klären, ob es nicht eine direkte Pipeline zum Bierstand gibt. Mario weihte mich dann in die Gepflogenheiten des Butzemannfestes ein... ganz viel Spaß, noch mehr Trinken und bloß keinen Stress! So liebe ich das! Schönet Ding!
Dann konnten wir erstmal auf die Bühne. Es war grad mal 15 Uhr oder so und noch jede Menge Zeit. Wir konnten uns direkt in die Verstärker der Butzemänner einstöpseln. Die standen ja noch da. Ich nahm den von Mario... also Klampfen raus, Kabel raus und gedreht und geschraubt bis ein Ton rauskam... und da kam ein Ton raus... ringel die Natter! Hölle! Der Anske spinnt! Definitiv! Der hat kaputte Ohren oder ist einfach nur schmerzfrei. Watt ein Brett! Ich glaub, das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich wirklich Schiss vor meinem Gitarrensound hatte – Hölle war das geil! YES!
Nachdem ich mir das erste Vorfreudenangstpipi aus den Augen gewischt hatte sah ich in die tief entsetzten Augen von Ralph Peter. Der guckte mich an, als hätte ihn grad ein Laster überfahren. Gut, er stand jetzt bei meinem Gitarrensoundcheck nicht unbedingt sooo günstig – also direkt davor – naja, gut, es war laut, aber kann ich denn was dafür?!
Irgendwann fing Ralphi dann auch wieder das Atmen an und wir konnten einen satten Soundcheck machen. Dabei mussten wir feststellen, dass alles auf dieser Bühne einfach nur laut, lauter und verdammt fett klingt! Also was die da für einen Sound fahren ist definitiv nicht gesund – aber verdammt geil!
Nach dem Soundcheck war uns allen klar, dass der Abend definitiv in die Geschichte eingehen wird. Wenn der Sound auf der Bühne so geil ist, dann spielst du auch ganz anders...Hochmotiviert setzten wir uns dann auch erstmal in die Sonne und machten die Setlist fertig. Bisher hatten wir uns noch keine großen Gedanken gemacht, was wir spielen wollten. Aber bei ein, zwei Bier kamen uns da eine Menge Ideen.
Pünktlich um 16 Uhr startete dann das Programm. Es traten 4 Schallmaienorchester an, die jeweils eine Stunde Programm machten. Gut, wem es gefällt... aber 4h Schallmaienorchester... da musst Du hart sein! Gut waren sie aber alle! Ehrlich!
Die restliche Zeit haben wir dann mit Essen, Sonnen und Trinken verbracht.
Irgendwann kam dann auch die Frage auf, ob es nicht etwas hochprozentigeres als Bier gäbe. Klar...! Meine Jungs waren heiß! Fussel organisierte dann Cola und Beam, Jim Beam... die wahrscheinlich süßeste Droge der Welt.
Mit diesem edlen Gesöff wollten sich meine Jungs die heilige Glückseligkeit in die Birne gießen. Da haben sie aber die Rechnung ohne Papa gemacht. Gut, ich konnte nicht verhindern, dass die Pulle in der prallen Nachmittagssonne leer getrunken wurde. Aber zumindest konnte ich es etwas nach hinten zögern. Auf jeden Fall waren wir 20 Uhr alle noch fit.
Die Schallmaien waren irgendwann verklungen und auf der Bühne war zum ersten Mal Betrieb. Die „Antenne Thüringen Radio Show“ gab sich die Ehre, um mit dem Bratwurstsong viele Anwesenden in eine kurzfristige Lebenskrise zu stürzen. Da sprang ein wirklich gutaussehender, junger Typ in einem knallroten Overall, auf dem zu allem Überfluss auch noch Plastikbratwürste aufgeklebt waren, auf der Bühne rum und sang zum schlechten Voll-Playback ein Lied über Bratwürste. Wenn man damit Geld verdienen kann... dann kann es unserem Land echt nicht schlecht gehen! Gut, es war Radio – das zieht und außerdem waren wir ja gleich dran.
Langsam wurde es aufregend. 20.30 Uhr, im Zelt tummelten sich so ca. 1500 bis 2000 Leute. Hinter der Bühne herrschte reges Treiben und wilde Vorbereitung.
Ok, ich bin bereit... die letzten aufmunternden Worte von Mario und seinen mittlerweile wieder menschlich anmutenden Gesinnungsgenossen und dann war ich allein.
Was mach ich hier? Warum bin ich hier? Und wem hau ich dafür in die Schnauze? Man, wir gehen jetzt gleich raus auf die Bühne und werden vor einer Unmenge an Leuten spielen, die weder uns, noch unsere Songs kennen. Die wollen eigentlich alle nur die Butzemänner oder O-Zone. Ja, mir ging der Arsch auf Grundeis. Aber, ich bin Frontmann und was hab ich denn zu verlieren? Es ist ja nicht das erste große Konzert und bisher ging es immer gut. Aber a bissl Angst hat man doch...
Egal, kurz nach 21 Uhr sagte mir irgendjemand, dass es jetzt losgeht. Ich kann nicht mehr genau sagen, was ich unmittelbar vorher gemacht habe. Auf jeden Fall stand ich dann irgendwann auf der Bühne. Mick, Ralph und Basti waren auch da. Coole Sache, jetzt geht’s los.
Vor der Bühne herrschte ein Gedränge wie bei den „Backstreet Boys“. Lauter junge, willige Weiber...! Schönet Ding! Also wenn die bei den Butzemännern noch einen ambitionierten Fanbetreuer brauchen... ich bin da!
Aber zurück zum Ernst... die Mädels da vorne nahmen mir zumindest die erste Angst. Du guckten ganz nett. Manchmal spielt man ja vor einem Haufen angesoffener 100-jähriger... das ist wesentlich schwerer. Auf jeden Fall waren die Hasen aufmerksam und gespannt, was wir da jetzt wohl auf der Bühne machen würden. Gespannt war ich auch... wie der Gummizug von Ottfried Fischers Feinrippunterbuchse...
Kurzer Blick rundrum auf der Bühne... alle Kabel drin? Alle spielfertig? Großes Kopfnicken. Mick war sehr ruhig – ist er immer, weil er Angst hat, dass ihm der Angststift aus der Plinte fällt – sieht aber verdammt cool aus! Ralph Peter ging in Agilität auf – irgendwas tun, damit man nicht darüber nachdenkt, was man gleich machen muss und was im schlimmsten Fall passieren kann. Basti hatte sich mit seiner Plautze irgendwie hinter Rundi´s Schlagzeug gepresst und grinste über beide Ohren. Ich glaub, der war der einzige, der wirklich cool war. Oder, das war einfach nur das versteinerte Gesicht beim dauerhaften Luftanhalten...
Ok, alle waren fertig, Pausenmusik war auch aus. Alles wartete auf den Start.
21:15 Uhr, ich hatte meine Klampfe in der Hand und fing ganz allein an „Wunderbare Jahre“ zu spielen. Geil, Totenstille in dem Bums!
2000 Leute, die dich einfach nur ansehen und dir zuhören. Irre!
Nach einer knappen Minute stieg dann die ganze Band mit riesigem Getöse ein.
Das schepperte und knallte an jeder Ecke – Urknallartig!
Mir schoss das Adrenalin in die Blutbahn, mein Körper pumpte unter Vollstrom alles rein, was er hatte. Ich hätte platzen können vor Energie. Schlagzeugsolo – Yes! Tischi mach sie alle! Der Sack haute auf die Eimer, als gäbe es kein Morgen mehr – schönet Ding! ... und noch mal Schlagzeugsolo und Ende und Aus!
Applaus! Sauerei!
Meine Fresse, was 2000 Leute für Krach machen können... sagenhaft! Ok, die Maschine lief und wir waren heiß wie Frittenfett!
Als 2. Song gab es auch direkt eine in die Fresse... „Thron“! Schönet Ding! Wenn es läuft, dann läuft es eben. Es war einfach nur geil! Die Leute waren super drauf!
Ich weiß jetzt gar nicht mehr genau, wie es im Programm weitergegangen ist. Die Zeit verging irgendwie wie im Fluge. Ich weiß nur noch, dass wir uns auf der Bühne die ganze Zeit angegrinst haben. Uns war die Euphorie quasi ins Gesicht gemeisselt. Geile Sache! Und dann...“Denkmal“...
Scheiße, scheiße, scheiße!!! Ehrlich, man soll so was nicht sagen, aber so was muss man erlebt haben!
Ich glaube, nicht ein einziger in dem ganzen Zelt – mittlerweile sollen es ca. 3500 Leute gewesen sein – konnte sich dieser Nummer entziehen. Alle haben sie mitgesungen – verdammt noch mal ALLE!!! Yes! Und Papa stand ganz vorn an der Bühne und gab den Takt an. Ringel die Natter! In dem Moment hätte ich auch sterben können... was soll jetzt noch kommen!?
„Lass uns leben“. Die ultimative letzte Nummer eines jeden Konzerts, raucht wie die Sau und geht ab wie Hulle und Poppey auf Spinat!
Ich hab in der Zwischenstelle nicht eine Sekunde überlegt, ob ich die gierige Masse zum Mitsingen animieren soll... ich habs einfach gemacht. Und die Leute waren so geil drauf! Richtiger Text, richtiges Tempo und sogar die Tonlage hat gepasst... bei den meisten jedenfalls. Und das, liebe Freunde, ist definitiv das Geilste, was es auf einer Bühne zu erleben gibt. Wenn ein zusammengewürfelter Haufen von Menschen, die dich nicht kennen, keinen Song von dir kennen, eigentlich wegen etwas völlig anderem da sind, einen Song singen, den du geschrieben hast und das einfach nur, weil sie gut drauf sind oder ihnen das Lied gefällt... oder ich weiß nicht warum... Danke! Vielen Dank!
Die „Ausziehen-...“ und „Zugabe-Rufe“ habe ich gar nicht mehr richtig mitbekommen. Die erste halbe Stunde nach dem Auftritt stand ich noch irgendwo... auf jeden Fall weit weg! Geil wars! Richtig Fett!
Also ab hinter die Bühne und sich erstmal kräftig auf die Schulter geklopft.
Kein Verspieler, keiner hat gepennt... es lief alles wie am Schnürchen. Kompliment an alle – ehrlich! Die ein bis zwei Gläser Hochprozentigen haben wir uns dann aber auch alle redlich verdient und genossen.
Nach uns kamen dann die Butzemänner und rockten die gut zurechtgelegte Beute nass bis auf die Haut! So solls sein! Man braucht zu den Butzemännern glaube nicht mehr viel zu sagen... wer sie erlebt hat, weiß, was Party heißt und wer nicht, hat was verpasst! Aber ehrlich, die Jungs sind krank, für nix zu fies und zu allen Schandtaten bereit... scheeenes Ding!
Nachdem ich mich halbwegs wieder eingekriegt hatte, ging ich dann auch wieder unter die Menschen. Da begegnete ich dann sehr netten, jungen Damen, die alle nur Sex haben wollten. Nein, Autogramme... Auf jeden Fall haben wir als Band alles, wirklich alles gegeben, um das Publikum zu befriedigen. Selbst unser Fussel beteiligte sich rege... Hut ab!
Gut, genug geplaudert... Nach den Butzemännern gab es ein großes Feuerwerk und irgendwann kamen dann „O-Zone“.
Was soll ich sagen? Eine halbe Stunde vor Auftrittsbeginn kamen sie, in einem viel zu kleinen Mietwagen zusammengefercht, an, aßen kurz, sangen und tanzten 3 Lieder zum Halbplayback und waren wieder weg. Ich hab sie nicht gebraucht, aber lustig war es trotzdem.
Die Party ging dann bis ca. 5 oder 6 Uhr morgens.
Und ich hab jede Sekunde genossen! Schönet Ding!