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11.06.2004 Jena – CD Releaseparty

Freitag, der 11.06.04...ein geschichtsträchtiger Tag! Denn am morgen dieses schönen Tages, genauer um 09:38 Uhr, brachte der gut gelaunte Postbote das schon sehnlichst erwartete Paket mit unseren frisch gepressten „CDs“!

Da waren sie also nun...2 Jahre harte Arbeit, versilberter Schweiß, unendliche Diskussionen, Tüfteleien, Rückschläge, Ratschläge, Rundumschläge und vieles mehr vereinten sich letztlich auf diesem Tonträger.

Wir hatten bis zum Schluss gezittert, ob unser „Baby“ rechtzeitig in unsere Hände gelangt. Es gibt nix schlimmeres, als eine Releaseparty ohne CD. Aber wir hatten sie ja nun. Alles in allem schon ein komisches aber dennoch gutes Gefühl. Und es sollte sich herausstellen, dass das den ganzen Abend über so seien sollte...komisch und dennoch verdammt gut!

Gegen Nachmittag trafen wir uns alle auf dem Wenigenjenaer Fest. Dort hatte man Bierbuden, Fresstempel und auch eine überdachte Bühne hingestellt. Die Musikanlage wurde ebenfalls vom Veranstalter gestellt. Die beste Anlage, die man für Geld bekommen kann, aufgebaut, verkabelt und bedient von den besten Männern, die man mit Geld bezahlen kann, von der besten Firma, die man eigentlich nicht bezahlen kann...“PVS-Veranstaltungsservice Jena“!!! Wenn schon erste Liga...dann PVS (Onkel, für den Spruch will ich ein Case für mein Baby)!

Also hatten wir eigentlich nichts zu tun, außer unsere Verstärker und das Schlagzeug aufzubauen. Das ging natürlich wie immer...ruck zuck! Und so blieb bei sommerlichen Temperaturen und Sonnenschein genügend Zeit für den ein oder anderen Plausch und 1-2 Bierchen...Soundcheck und dann schnell ab nach Hause, rasieren, waschen und schick machen...

Gegen 20 Uhr waren wir dann wieder alle wieder glücklich vereint auf dem Festplatz und waren guter Dinge für unsere Party. Der Platz füllte sich auch langsam und die Vorband „die Allyierten“ zupften das erste mal an den Saiten, als plötzlich und unerwartet ein sattes Gewitter über selbigen zog und innerhalb von Minuten ca. 1000 Liter (ca...!) Regen auf den Quadratmeter schüttete! Irre!

Für ca. 30 Minuten war Land unter und ich dachte echt, wir müssten die ganze Veranstaltung absagen. Alle flüchteten sich unter irgendwelche Unterstände, Bierzelte, Bäume ect...Da standen dann wildfremde Menschen dicht an dicht mit ihren feuchten Leibern aneinander, wie die Hühner auf der Stange. Ich sag es ja immer wieder...wir bringen die Menschen zusammen! ...schönet Ding!

Naja, irgendwann hörte es dann langsam wieder auf und die Party konnte weitergehen. Die Allyierten hatten sich während des Regengusses in den hintersten Winkel der Bühne verkrochen aber tapfer weitergespielt. Respekt!

Wir verbrachten die meiste Zeit damit, die Unmenge an Menschen zu begrüßen, die extra wegen uns nach Jena gekommen waren. Das war echt unglaublich! Da traf man Leute, die man Monate nicht gesehen hatte...Im Prinzip war man nur unterwegs und man hatte nicht wirklich Zeit, sich wirklich mit jemandem zu unterhalten. Unser Reini war auch gekommen. Die alte Nase hatte ich seit fast einem Jahr nicht mehr gesehen. Schönet Ding!

Nach den Allyierten kamen dann die heißen Mädels von ....weiß ich jetzt nicht mehr, aber gut sahen sie aus!...und tanzten sich auf der noch feuchten Bühne die Seele aus dem Leib. Kopf links - rechts, Beine hoch – runter, auf – zusammen, ein hin und ein her und das alles dargeboten von halbnackten, jungen Weibern...so muss das sein!

Gegen 22 Uhr war es dann endlich soweit „showtime“! Mittlerweile war es richtig dunkel geworden und das Wetter hielt zum Glück.

Die Bühne war auch halbwegs trocken. Bis zu dem Zeitpunkt, als ich auf die Bühne ging, war ich wirklich „0“ aufgeregt, dafür war ich viel zu beschäftigt. Aber als ich dann da oben stand und nur noch meine Jungs um mich herum standen...puuh, da ging mir plötzlich ordentlich der Stift! Auf einmal wurde mir bewusst, dass all die Leute, es müssen so um die 800 gewesen sein, zum Großteil wegen uns hier waren. All die Zeit des Songs schreiben, der Aufnahmen, CD-Produktion, Entwürfe, Planungen und die ewige Zeit des Wartens war jetzt vorbei. Unsere CD war fertig. Die ersten frisch gepressten Exemplare lagen verkaufsfertig in einem Koffer parat. Und jetzt ging es nur noch darum, die Releaseparty so gut wie möglich zu spielen.

Kurzum...Ich hatte selten solch einen Schiß!

Naja, irgendwie muss man da wohl durch und meistens gibt sich das leichte Unwohlsein dann direkt nach dem ersten gespielten Ton.

Mit ehrlich zitternden und schweißnassen Fingern standen wir da nun und warteten sehnlichst auf das Intro – schlimme Sekunden. Man kann nichts mehr machen, noch nicht mal weglaufen...

Endlich das Intro, zack, 4 vorgezählt und mit Pyro geht’s los...“Thron“...da brennt nix an, die Sau zieht wie Hulle und man kann sich erst mal die gröbste Angst von der Seele spielen. Direkt im Anschluss – „Ödipussi“...geht auch nach vorne! Schönet Ding!

Ich glaub, ich hab nach 2 Songs schon mein komplettes Pulver verschossen. Auf jeden Fall war ich eigentlich schon konditionell im Eimer. Ich war froh, als wir dann endlich zu „er fliegt fort“ kamen, endlich Ruhe! Ich glaub, das war genau das, was alle Beteiligten zu diesem Zeitpunkt gebraucht haben. Jetzt hatte ich endlich die Zeit, auch mal ins Publikum zu sehen und zu begreifen, was hier eigentlich passiert. Es hatte mittlerweile wohl wieder leicht angefangen zu Regnen, aber der Platz war rappelvoll! Alle schauten nach vorne und waren dabei. Es war überwältigend!

Im Zwischenteil von „er fliegt fort“ ist ja dann eine kleine Pause, aus der ich dann mit einem langen Schrei wieder in den Song zurückkomme. Ich glaub, ich hab mir die Seele aus dem Leib geschien...auf jeden Fall wurde mir plötzlich schwarz vor Augen, die Knie wurden weich und mir wurde schwindelig...Ich dachte ehrlich, dass ich schon auf der Bühne liege. Ich hatte überhaupt keine Kontrolle mehr über meinen Körper. Wahrscheinlich war das alles die Anstrengung und die Last der letzten Wochen, die sich da irgendwo Luft gemacht haben. Ich hab auf jeden Fall aufgehört zu singen und gehofft, dass ich mich irgendwie wieder fange. Und irgendwann war das dann zum Glück auch so. Ich hatte wieder halbwegs klare Sicht und stand auch wieder relativ sicher...

Zeit für „Königin“...im Nachhinein betrachtet hab ich mich wohl sehr gefühlsduselig ausgedrückt. Aber Gott, es ist halt ein Liebeslied, von mir geschrieben und das nicht ohne Grund! Auf jeden Fall dachte ich, wenn Reini schon mal da ist, dann soll er sich das Geld auch verdienen, und holte ihn auf die Bühne, gab ihm meine Klampfe und überließ ihm das Feld...Es war fast wie früher, nur früher war es eben normal, dass er mitspielte. Heute, am Tag unserer Releaseparty, war es was besonderes und einfach nur gigantisch! Der Herr drückte mal wieder ein Solo ab, dass Muttern die Knie gezittert hätten! Schönet Ding! Und weil es so gut lief, musste er zu „es tut so weh“ auch noch seine Sporen verdienen und spielte eben weiter. Reini, der Mann, dem ich verdammt noch mal einen riesigen Haufen zu verdanken hab. Er hat mich damals in die Band geholt, mir gezeigt, wie man eine Gitarre hält, dass es 2. und 3. Stimmen gibt. Er hat mit mir an unserem ersten „eigenen“ Song gebastelt, ewig geprobt...zusammen haben wir viel Mist aber auch viele wirklich gute Sachen erlebt...

Gott, es war ein gutes Gefühl ihn da oben zu haben...! Und den Leuten hat es auch gefallen! Was will man mehr!?

Unter tosendem Applaus verließ Reini dann die Bühne und wir legten mit „lass die Sonne rein“ und „Dancing Queen“ weiter. Das war auch gut so. Denn dann ging es endlich wieder nach vorne und man konnte sich wieder richtig auslassen. Ich weiß gar nicht mehr genau, wann und wo das da überall geknallt. Überall waren da Fontänen, Scanner und Krams...man konnte endlich wieder springen, über lustige Sachen singen und dabei lachen...schönet Ding! Doch! Und dieses Doch! Steht für Achtung!

Am Ende des letzten Drittels des Programms haben wir dann noch ein kleines Schmankerl eingebaut...Akkustikset... 2 Gitarren (ich mit Akkustik), 4 Stimmen und ein wenig Schüttelgedöhns...Zelebriert wurde zum allerersten Mal live in einer Welturaufführung „wenn ich an Dich denke“. Totenstille – Stecknadel, ihr wisst! Ein unglaubliches Gefühl! Ich war schwer begeistert von uns und von den Leuten, die immer noch im Regen standen und uns zuhörten...

Dann hatten wir „sie ist vom Himmel gefall´n“ auf dem Zettel stehen. Wer mich kennt, wird wissen, wie wichtig mir diese Nummer ist. Genauso hab ich die Nummer auch angesagt. Viel schlimmer war, dass ich mich auch genauso emotional gefühlt hab. Das war irgendwie ein Tag, wo ich mich diesbezüglich überhaupt nicht unter Kontrolle hatte. Ich hätte auch heulen können...hab ich aber nicht!

Wie gesagt, 2 Gitarren, 2 Stimmen und als Bonbon noch Robert Ackermann mit seiner Klarinette...das alles auf einer großen Bühne, vor 800 Leuten, die im Regen stehen, bei seiner eigenen Releaseparty...Hammer!

Ich hätte danach auch aufhören können...wir haben glaube ich, jeden Song nie besser gespielt! Irgendwann hab ich dann Fussel auf die Bühne gerufen, weil er den CD-Koffer hatte, und hab unter großem Trommelwirbel unsere „showtanzclubeinlage“ der Menschheit präsentiert. Jetzt war sie da. Jeder konnte sie sehen. Alles war schön!

Dann ging es weiter mit Amerika und Semesteranfang...zwei echte Knaller, die uns alle wieder wach machten. gitarreschlagzeugbass – Laut, Schnell, Stark!!! Der Puls lag wieder jenseits der Werksgarantie, alle Drüsen produzierten literweise Meeressaft und das Hirn war irgendwie auf Autopilot geschaltet. Schönet Ding wenn’s Raucht und Kracht!

Nun war „Henne - Time“! Unser völlig zu Recht übererbezahlter Tontechniker bahnte sich einen Weg durch die Massen und stand dann endlich auf der Bühne. Henne singt in unserem normalen Programm einen Song, den eigentlich niemand singen darf, außer der BOSS himself. „glory days“ von Bruce Springsteen…eine Giganummer! Und Henne hat DIE Stimme dazu! Pure Energie, gerader Rock´n Roll!

Für mich war das endlich die Nummer, um mal die gesamte Bühne auszunutzen...von links nach rechts, vom Schlagzeug bis zum Bühnenrand...Herrlich!

Und weil es so gut lief, gleich „Pflaumenprinz“ hinterher (Emotionen siehe oben!).

Ich weiß gar nicht mehr genau, was dann noch alles gespielt wurde. Das war alles wie ein großer Rausch. Auf jeden Fall war ich hundekaputt und nach „Klopf Klopf“ war Ende mit Luft in den Lungen! Wir sind gesprungen wie die Bekloppten! Sehr geil!

Die letzte Nummer sollte dann, wie immer „lass uns leben“ sein. Aber keiner wollte so recht aufhören zu spielen. Ich hab dann noch eben Reini noch mal hoch auf die Bühne geholt, der kann eh viel besser spielen als ich, und dann haben wir das gute Stück aber so was von in die Länge gezogen...herrlich! Die obligatorische Mitsingstelle wurde von allen Anwesenden aus voller Brust genutzt, um sich wahrscheinlich selbst von innen zu wärmen. Es regnete ja schließlich immer noch. Nur war es mittlerweile fast 0 Uhr. Vielen, vielen Dank!

Naja, klar haben wir danach nicht einfach aufgehört...Im Publikum hatte ich irgendwann mal „Kai Müller“ gesehen. Ein Idol meiner verkommenen Jugend und der Gott des „u2 – coversingens“!

Einmal mit dem „Pride – in the name of love“ singen... Und er ließ sich tatsächlich nicht lange bitten, kam auf die Bühne und sang wie in alten Zeiten, als ich noch mit 16 auf jedem Dorfsaal abgehottet hab...wahnsinn!

Vor lauter Freude hab ich ihm dann auch gleich meinen Gitarrenhals ins Gesicht gerammt – der Typ stellt mit seiner Stimme ne echte Gefahr für mich in der Band dar. Der musste ausgeschaltet werden! Aber keine großen Verletzungen und so konnten wir überglücklich und nach 2h Konzert ohne Pause, nass bis auf die Buchse, in den Armen liegend die Bühne verlassen...Was ein Konzert!?! Zum Glück gibt’s das ganze irgendwo auf Video!

Wer aber nun gedacht hatte, dass ich jetzt Pause hatte, sah sich getäuscht. Natürlich wollten die Leute, die schon mal da waren auch gleich eine „showtanzclubeinlage“ mitnehmen. Das hieß CD´s verkaufen und signieren. Ich glaub, da ging locker ne Stunde bei drauf! Schönet Ding!

Anschließend ging es dann ab zur Aftershowparty in die Havanabar, den Erfolg feiern! Das hatten wir uns verdient! Redlich verdient! Gegen 2-3 Uhr sind wir da angekommen. Die Hava war natürlich rappelvoll! Also Getränke her und fallen lassen...Das war definitiv das emotionalste Konzert, mit der abgefahrensten Aftershowparty meines Lebens!

 

Ach ich hätte es ja fast vergessen...gegen 5 Uhr, wir standen alle in einer großen Traube von Menschen und waren am sabbeln und trinken, da riss unserer Fusseline der Geduldsfaden. Er kämpfte sich durch die Menge, Richtung Theke, sprang auf diese und tanzte sich die Hacken wund. Irgendwann zog der Bursche dann sein T-Shirt aus und tanzte eben oben ohne. Herrlich! Es dauerte nicht lange, da fingerten schweißnasse Frauenhände voller Vorfreude am Hosenbund von...die wird doch nicht...nein...doch sie wird. Eh ich mich versah, stand unser Fussel dann eben nur noch in der Unterwäsche auf der Theke der Hava...saubere Sache! Dafür lieb ich den Kerl!

 

Den Tag werde ich mein Leben lang nicht vergessen! Danke an alle, die dort waren und verzeiht mir meine/ unsere Entgleisungen...derMax