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26.Dezember 2003 Jena - Havanabar/Weihnachtskonzert

Als bekennender Weihnachtsmuffel freue ich mich immer besonders auf den 2. Weihnachtsfeiertag. Da spielen wir immer unser mittlerweile schon obligatorisches Weihnachtskonzert in der Havana-Bar zu Jena. So war es auch in diesem Jahr...

Da wir eigentlich mitten in der heißen Phase für die CD-Produktion sind, hatten wir nicht wirklich viel Zeit zur Vorbereitung des Konzerts. Wir spielen zwar nicht sehr oft in Jena, aber zu diesem speziellen Konzert kommen sehr viele Leute von überall her, die uns das ganze Jahr über begleitet haben und unsere "normales" Programm, ja manchmal sogar schon die Reihenfolge (obwohl ich da immer sehr spontan und variabel bin) kennen.

Denen wollten wir natürlich mal etwas Abwechslung bieten – quasi als Dankeschön!

So haben wir kurzerhand eine CD von Songs erstellt, die wir spielen wollten, diese jedem Bandmitglied nach Hause zum reinhören und üben mitgegeben, um sie dann im Proberaum das 1. Mal wirklich anzuhören. Das schöne an einer Band ist ja, dass man sich auf fast alle verlassen kann... Heul!

Aber irgendwie funktioniert das ganze dann eben doch immer wieder bei uns. Wir haben uns dann für 3 Proben im Proberaum eingeschlossen und geprobt, was das Zeug hielt. Das war gar nicht so schlecht. Schließlich war das letzte Konzert schon fast 3 Wochen her.

In die neuen Songs haben wir uns recht schnell eingespielt. Dafür traten dann bei den älteren Songs wieder Gedächtnislücken zu Tage, in denen ganze LKW (mit Anhänger) hätten versinken können.

Naja, zum Proben des ganzen Programms hatten wir keine Zeit mehr und so schlichen wir uns dann mehr oder weniger gut gewappnet in die Hava.

Ich kam mal wieder direkt aus dem Nachtdienst nach Jena. Trotz meines durchaus kompromisslosen Fahrstils (neuer Verbrauchsrekord – 6,5l auf 100km) gelang es mir jedoch nicht, zum Ausladen des Proberaums und Einräumen der Hava zugegen zu sein. Als ich endlich in Jena war, stand schon fast alles. Ich betrachte das mal als Weihnachtsgeschenk meiner mich liebenden Bandmitglieder.

Wie immer war die Hava viel, viel zu klein für all die Dinge, die unser Proberaum hergab. Also wurde konstruiert und getüftelt, um so wenig Fläche wie möglich zu vergeuden. Mein Amp stand auf dem Tresen, meine Gitarren auch, Mick hatte extra seinen kleinen Amp mitgenommen und den auf das Fensterbrett gestellt.

Wirklich jeder, jeder gab sich Mühe. Nur Basti hat da irgendwas falsch verstanden. Je mehr Platz auf der "Bühne" entstand, desto größer wurde sein Schlagzeug. Für Ralph, Mick und mich blieb gerade mal ein 30cm schmaler Pfad zum Stehen. Basti hat natürlich hoch und heilig geschworen, dass er sein Schlagzeug genau wie immer gebaut hat! Klar! Na ja, ich war beim Aufbau nicht dabei, da musste ich wohl die Schnauze halten. Zum Glück für mich hat mich Mutter Natur nicht ganz so kräftig ausgestattet, so dass mir die 30cm gereicht haben... Mick und Ralph mussten aber die Luft anhalten! (...ein kleiner Spaß!)

Na gut, zum Soundcheck haben wir noch einmal alle Wackelkandidaten in unserer Setlist durchgespielt. Natürlich mit ordentlich Gurken (umgangssprachlich für Fehler - Anmerk.d.Red.) drin. Aber wie sagt man so schön... je schlechter die Generalprobe, desto besser die Premiere!

Nach dem Soundcheck eben nach Hause zum Abendessen, Waschen und Rasieren... man will ja gut aussehen, um dann frisch gestylt und parfümiert wie eine asiatische Vorstadtnutte in die verqualmte Hava einzureiten.

Die war gegen 21:15 Uhr schon ganz gut gefüllt und so ging es erst mal los zum großen Hallo. Ich schreib es immer wieder, aber es stimmt ja auch. 90% der Gäste an diesem Abend sind nur wegen uns da. Die meisten sind wirklich gute, nette, liebe Freunde... halt nur ganz schön viele und alle auf einem Haufen. Um dann vom Eingang bis zur Bühne zu kommen, brauchte ich dann auch satte 45 Minuten – und da hab ich nur "Hallo" gesagt. Gegen 22:00 Uhr war die Hütte dann brechend voll, so dass man wirklich nicht einmal mehr umfallen konnte. Man stand, wo man stand! Geil!

Für den Beginn des Konzerts hatten wir uns schon das 1. kleine Highlight überlegt. Erst ein halbschierig gespieltes Weihnachtslied von CD und dann haben wir einfach die Studioaufnahme von "Er fliegt fort" genommen und die zum Intro umfunktioniert – schön mit Streichern und Bläsern usw... Der erste Aha-Effekt war also erzielt.

2 vorgezählt und ab ging der Stift mit "Thron". Na ja, das funktioniert immer! Der 2. Song war "Deserteure" – ohne Worte! Und so ging es dann weiter... "Star" (in einer neuen Version), "Alles was Du willst", "Bandits", "Pflaumenprinz", "Nananana", "Regenbogenland" und "Semesteranfang"...

Beflügelt von der Euphorie endlich wieder in diesem saugeilen Laden zu spielen, haben wir die Songs ein wenig schneller gespielt als geplant. Das sollte sich Ralph Peter Jürgen dann auch bei "By the way" den Hals – ähm... die Finger brechen.

Die Nummer, die wir schon lange spielen wollten, wo ich immer gedacht hab, das schafft der alte Mann nie, er mich dann aber bei den Proben mehr als positiv überrascht hat…

Das verkündete ich natürlich auch unmittelbar vor dem Song. Also, dass Ralph der Beste ist und ein totales Genie und sowieso. Soviel Lob für Ralph wollte Mick aber nicht im Raum stehen lassen und begann das Stück in einer, na sagen wir etwas flotteren Variante.

Man konnte sehen, wie Ralph die Blässe ins Gesicht fuhr, als er merkte, wie schnell er wirklich sein musste.

Er hat sich Mühe gegeben... doch, hat er... man hat es nicht gehört... aber er hat.... doch!

Na ja, es hat ja kaum jemand mitbekommen und er kam auch glimpflich davon. Es kamen dann noch "Brown sugar", "Every you every me" und "Hilf mir" und dann war endlich Pause.

Das Problem war, das man wirklich nicht treten konnten. Auf der Bühne nicht und unten im Publikum gleich gar nicht. Also blieben wir halt vorne am Bühnenrand stehen und versuchten, Luft zu holen... Ha!

Du kannst in der Hava fast alles bekommen... Autos, Waffen, Frauen, aber Luft....? Nee!

Na ja, was soll´ s ... zumindest konnte ich mit flehenden Blicken das zweifelsohne beste Personal des Universums dazu bewegen, mir das Getränk meiner Wahl zuzubereiten, welches mir dann auch noch lächelnd überreicht wurde. Schönet Ding!

Die 2. Runde haben wir dann etwas sanfter begonnen. Mit "Kann diese Stimme“ - „Ich kenne nichts" und "Beautiful girl" ging´ s los. Da der "Elch", also Elke Thieme, im Publikum war und es mittlerweile schon fast Tradition geworden ist, dass jeder der besser singen kann als ich, das auch tut (was ein Satz!), musste sie dann "Luka" singen. Das funktioniert auch immer! Frauen mit großen Brüsten auf der Bühne sorgen irgendwie immer für mehr Aufmerksamkeit im Publikum, als wenn ich 'ne Arie singe oder Mick ein Solo spielt... seltsam!

Auf jeden Fall kam dann "Amerika". Und jeder der uns kennt, weiß, dass es ab jetzt losging... "Leg Deine Hand", "Lass die Sonne rein", "Geh'n wir", "Ich hätt nichts dagegen", "Don't you", "Kompliment" und "Viel zu sehr". Fertig war der Lack! Entweder hätte ich an dieser Stelle 'ne Pause gemacht oder ich wäre tot umgefallen. Aber auf der Setlist standen noch 3 Songs. Ich konnte echt nicht mehr. Es war so scheißenwarm und stickig in der Hütte...Ich frage mich, wie der alte Sack Ralph Peter das aushält. Der schnüffelt bestimmt heimlich hinten irgendwo reinen Sauerstoff. Ich meine gut, der bewegt sich nie, aber trotzdem... Naja, meine Jungs hatten kein Erbarmen und so schleiften wir unseren Elch noch einmal hoch und zusammen drückten wir dann "Still haven't found" ab. Wahrscheinlich in der besten Version, die wir je gespielt haben. Dann kam noch "Er fliegt fort" und dann war auch zum Glück Ruhe im Karton! Pause!

Jetzt konnte ich aber auch wirklich nicht mehr. Nicht nur, dass man die Luft schneiden konnte, ich geschwitzt hab wie die Sau und mir die Füße weh taten... ich musste auch mal ganz dringend auf "00". Und das ist in der Hava wie der Run zum Wühltisch beim Sommerschlussverkauf im "Kaufhof"... Du siehst das Ziel, aber Du kannst es nicht erreichen, weil immer irgendjemand vor Dir steht und Dir den Weg versperrt. Wenn ich nicht in der Lage gewesen wäre, ca. 50% des Urins in Schweiß umzuwan....(ach nee, jetzt wird's ekelig).

Ich erreichte das Klo irgendwann. Gerade noch rechtzeitig. Auf dem Rückweg klopften dann auch schon wieder "gute Freunde" auf die Schulter und fragten: "Wollt Ihr nicht mal weitermachen!?" Klar, aber der Rückweg war ja auch nicht schneller. Demnächst werde ich in Bastis Schlagzeug irgendwie 'ne Campingtoilette einbauen...

Der Sinn einer 3.Runde ist ja, dass sie rocken muss... sie muss rocken – jaaaaa!!! Sie muss Dir die Haare von der Stirn pusten... "Go your own way" war der 1. Titel. Geile alte Nummer in einer noch geileren Gitarrenversion. Das rockt! Dann kam eine Nummer, auf die ich mich tierisch gefreut hab – " Monsoon " von Robbie Williams. Zu dem muss ich was sagen... Also jeder, der jetzt sagt, äh... der ist doch schwul, sind die jetzt doof!? Dem muss ich sagen... Ja, vielleicht. Aber ich hab jetzt sämtliche DVD's von dem Heini und bin schlichtweg begeistert. Gut, nicht alles was er macht, ist schön – aber vieles! Und als ich den Song "Monsoon" bei seinem Megaauftritt in Knebworth gesehen habe, da war mir klar – Der ist es! In der Hava haben wir das Ding dann also auch zum 1. Mal gespielt und es war nur noch geil! Geil! Geil! Geil! Und wenn mich meine Mutter dafür enterbt... es war geil!!!

Der Rest der Runde ist eingefleischten DINa4-Gängern bestens bekannt... "Black eyed", "Leuchtturm" (fehlerfrei, weil abgelesen!), "Klopf, klopf", "Königin", "Für immer" (eine Meganummer der Ärzte), "Friseur", "Sie hat geschrien", "Glückspiraten" und "Sie ist vom Himmel gefall'n".

Hierfür hatten wir uns auch eine Kleinigkeit überlegt. Und zwar haben wir diese Nummer im Studio quasi fertig – schön mit Effekten und Streichern usw., richtig fett! Das kann man natürlich live nicht machen. Aber wir fanden das so geil, dass wir uns überlegt haben, einfach mal Halbplayback (also Musik von CD und der Gesang dann live) zu spielen. Das machen alle großen in der Branche... also warum nicht auch wir!?

Da wir das noch nie vorher gemacht hatten und auch keine Zeit hatten, das zu proben, waren wir natürlich sichtlich aufgeregt. Als ich dann noch Sandy, die Frau, für die ich das Stück geschrieben hab, im Publikum erblickte, wurde es echt schwer. Auf einmal hatte ich einen Kloß im Hals...

Ich weiß nicht, ob man sich das vorstellen kann, wie es ist, vor Leuten auf einer Bühne wirklich ehrlich und ohne Schutz von seinen Gefühlen zu erzählen. Wenn es lustig ist – ok. Aber sobald es um Liebe oder Trauer geht... man, man, man...! Ich fühlte mich auf einmal komplett nackt. Ich glaube, man hat es mir auch angesehen... Na ja, irgendwie haben wir das dann aber trotzdem ganz gut hinbekommen. Ihr hat es gefallen und den Leuten auch – das zählt!

Auf jeden Fall war nach der Nummer erst einmal Pause angeordnet!

Nach der Aufnahme von ca. 2,5 Litern Wasser, verdünnt mit einem Schüsschen Rotwein, war mein Körper dann wieder arbeitsfähig. Und bei der 4. und letzten Runde ist es dann auch egal gewesen... dann zählt nur noch Rock!

Auf dem Weg zur Bühne wurden sich dann noch 2 Songs gewünscht, die wir schon ewig nicht mehr gespielt haben, die aber trotzdem total geil sind.

"Lightning crashes" und "Vielleicht" - Jahre nicht gespielt und dennoch saß jeder Ton – Kompliment, Ihr Säcke!

Was dann kam, kann ich mit Sicherheit nicht mehr sagen. Die Euphorie und das Schüsschen Rotwein nahmen mir ein wenig die Erinnerung. Auf jeden Fall war "Pride – in the name of love" dabei... Ja!

Ende war dann so gegen 3 Uhr morgens, völlig untypisch mit "Rot" in einer rein akustischen Version...

Auch lange nicht gespielt – trotzdem geil und ein gebührender Abschluss für dieses Weihnachtskonzert!

Da wir unser komplettes Equipment bis zum nächsten Tag stehen lassen konnten, haben wir uns alle dann erst einmal unters Volk gemischt und die Früchte unseres Erfolgs geerntet. Das heißt bei mir soviel, wie das ich mit meinem Bruder und meinem Cousin gegen halb Sechs morgens die Hava verlassen habe und mit den beiden Pfeifen alleine aufgewacht bin... Heul!

Die Tauben auf den Dächern haben mir aber gepfiffen, dass einige meiner Kollegen erst 8 Uhr morgens aus der Hava getragen werden mussten... Das hat man denen dann am Nachmittag, als wir zur Stätte des Erfolgs zurückkehrten, auch deutlich angesehen und auch gerochen! Schönet Ding!

In diesem Sinne...allen ein dickes DANKE! für alles und bis spätestens zum 26.12.20004 in der Havana-Bar zu Jena. derMax