22. August 2003, Freyburg »Sportfest«
Wir haben ja schon 1-2x in Freyburg gespielt. Aber dieses Sportfest sollte alles bisher dagewesene in den Schatten stellen.
Aber von vorne... Da wir, faul wie wir nun einmal sind, die komplette Anlage noch im Hänger und im Bus hatten, kamen wir um diesmal um das lästige Aus- und Einräumen drumrum. So sind wir dann gegen 17 Uhr gen Freyburg gefahren. Eingepackt hatten wir neben den üblichen Beischlafutensilien auch Wechselwäsche und Schlafsäcke.
Schließlich sollten wir Freitag und Samstag in Freyburg spielen und wollten aus diesem Grund auch dort schlafen.
Gegen 18 Uhr sind wir also in Freyburg angekommen. Auf dem Schützenplatz war ein 1000-Mann-Zelt aufgebaut. Drinnen standen 2-3 Bierbuden und 'ne große Bühne.
Empfangen wurden wir standesgemäß mit 'nem halben Liter frisch gezapften Bier, was bei tropischen Temperaturen immer gut kommt! Das schöne an großen Bühnen ist, dass man im Prinzip alles so stellen kann, wie man es gern hat. Man muss auf nix Rücksicht nehmen. So waren wir auch ziemlich schnell fertig mit Aufbauen. Jetzt waren wir quasi fertig zum Soundcheck. Haben wir gedacht... Denn unser Student Basti war kopftechnisch wohl noch in den Semesterferien und hatte, pfiffig wie er nun mal ist, die komplette Mikrofonierung seiner Schießbude in Jena liegen lassen.
Und unser Basti ist zwar ein „Schläger“, aber ohne Mikro hört man selbst ihn in so 'nem großen Zelt nicht! Also daheim angerufen und die Lieben mit einer Kurierfahrt beauftragt. Jetzt hatten wir also Minimum eine Stunde Zeit. Die meisten nutzen diese, um sich sinnlos der Nahrungs- und Alkoholaufnahme hinzugeben.
Ich dagegen putzte meine Gitarren, Kabel, Koffer, ging noch mal das Programm komplett durch und meditierte dann noch eine halbe Stunde, um mich optimal für das Publikum vorzubereiten. Ich denke, dass ist das Mindeste, was der zahlende Gast von einem Musiker erwarten kann... Der Musiker hat ausgeschlafen und erholt, gesättigt und ausgeschissen zur Mugge zu erscheinen! Wir sind ja schließlich nicht zum Spaß hier! So!
Gegen 20 Uhr riss mich dann ein Handyklingeln aus meiner Meditation. Unsere Kurier hatte es wohl so eilig gehabt, dass ihm bei voller Fahrt irgendwo bei Naumburg die Motorhaube in die Windschutzscheibe sprang. Der einzig freie Parkplatz war natürlich im Graben, Scheibe kaputt, aber Fahrer heile! Basti hat dann Quax den Bruchpiloten samt den Mikrofonen abgeholt und kam gegen 20:30 Uhr wieder in Freyburg an.
Jetzt wurde schnell alles verkabelt. Da sich das Zelt jetzt schon füllte, fiel der Soundcheck aus. Die Band "Zollfrei" aus Leipzig sollten das Fest eröffnen und begnügten sich mit einem Minisoundcheck. Aber Henne hatte alles sehr schnell im Griff, so dass das gar nicht aufgefallen ist.
Das Zelt war gegen 22:30 Uhr schon ziemlich voll und die Stimmung entsprechend gut! Die Leute tanzten, tranken... Da "Zollfrei" mehr so die 70-Jahre Musik spielten, tanzten natürlich überwiegend die "älteren" Menschen. Also ich will da wirklich keinem zu nahe treten aber... na ja... es war halt ein Sportfest, zu dem auch ein Großteil von jungen Menschen angereist waren. Die können halt mit "CCR" und "Neil Young" nicht viel anfangen. Wir verzogen uns deshalb auch erst mal wieder an die Tränken und füllten unseren Flüssigkeitshaushalt wieder auf – datt war aber auch heiß!!! Aber bevor man dehydriert...
Gegen 00:00 Uhr waren "Zollfrei" dann fertig und wir konnten ran. Doch zuvor wurde noch mit alkoholhaltigem Blubberwasser auf unser Geburtstagskind Franziska angestoßen. Stolze 18 Lenze ist sie geworden. Ja, Ihr lieben Männer, richtig gehört. Sie war vorher keine 18. Das treibt Euch den Schweiß auf die Stirn und das Blut in die Adern? Zu Recht! Aber die Gedanken sind ja bekanntlich frei!
Egal, der Umbau dauerte keine 10 Minuten, so dass die Leute grad mal Zeit hatten, sich ein Pils zu besorgen.
Die jüngeren Menschen hatten uns vorher natürlich ordentlich geimpft, dass wir gefälligst was für sie spielen sollten – Ärzte usw.
Naja und wenn man so nett gebeten wird, dann ist man ja quasi gezwungen.
Wir starteten also mit "little respect". Und das war, und ich sage das in aller gebotenen Bescheidenheit, eine geniale Idee von mir! Überhaupt bin ich der Beste – diese Eigenschaft ist in diesem Tagebucheintrag noch gar nicht so recht hervorgehoben worden. Zu unrecht! Aber egal – Ihr wisst es ja eh...
Auf jeden Fall sind die Leute komplett ausgerastet! Wahrscheinlich haben die auch zu wenig getrunken und sind dann dehydriert! Innerhalb von 2 Minuten war ich klatschnass! Ich hatte mir extra 'ne lange Jeans angezogen, weil ich davon ausgegangen war, dass es abends eher kühler wird... Jackpot!
Das Gefühl, wenn einem in einer engen Jeans der Schweiß die Schenkel heruntersuppt ist so derartig ekelhaft, dass ich kurzzeitig wirklich darüber nachgedacht habe, mich dieses atmungsinaktiven Schweißsammlers zu entledigen. Da ich aber von Natur aus ein gut erzogenes Menschenkind bin, habe ich auf das zahlende Publikum Rücksicht genommen und mich unter Qualen über den Abend gerettetetetetet...
Man muss ehrlich sagen, dass es eigentlich völlig egal gewesen wäre, was wir gespielt hätten. Die Leute waren einfach nur in einer super Partystimmung! So kam es dann auch, dass wir wieder 2 ½ Stunden durchgespielt haben, weil man uns einfach nicht gehen lassen wollte. Und das alles vor einer Masse von jungen, gut gebauten, durchtrainierten, schwitzenden Frauen – Ich liebe es!
Da wir ja nicht abbauen mussten, hatten wir natürlich jede Menge Zeit, uns um die zwischenmenschlichen Belange zu kümmern. Für die einen hieß das Smalltalk mit schwitzenden jungen Frauen, für die anderen hieß dass, den Flüssigkeitshaushalt wieder auf Normallevel zu bringen.
Gerüchten zu Folge hat es wohl ein Mitglied der Band geschafft, sich innerhalb von einer Stunde derartig den Schädel wegzupolieren, dass er dann bündig auf seinem Instrument, auf der Bühne, ohne Decke oder ähnliches schlafen musste. Beweisfotos wurden gefertigt und werden der Galerie beigefügt. Andere wiederum sind erst gar nicht zum Schlafen gekommen und mussten sich mit RedBull auf Touren halten. Der Rest der Band fand im Vollwahn den Busschlüssel nicht mehr und war so gezwungen, das Baby aufzubrechen, um darin zu schlafen oder die extra gepackten Taschen zu entnehmen, um dann letztendlich beim Veranstalter – Mike – zu schlafen. Ich für meinen Teil war weg...!
...ein mehr als gelungener Abend! derMax