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09.0Juli 2003, Erfurt »Mega - Rock«

Tja, was soll ich sagen...? Einfach nur geil !!! Aber von vorn...
Also, gegen 10 Uhr bin ich in Erfurt auf dem Messegelände angekommen. Ich bin alleine gefahren, da ich direkt aus Paderborn gekommen war. Das Wetter war entgegen der Vorhersage und dem Wetter in den Vorjahren recht bescheiden, ziemlich trübe und leicht verregnet, aber es war ja noch früh am Morgen.

Auf dem Gelände herrschte schon reges Treiben und auf der Bühne machten" Tapete" grad ihren Soundcheck. Und glaubt mir, dass war kein Zuckerschlecken - es war irre laut! Aber beim Erblicken der Bühne bekam ich dann doch eine kleine Gänsehaut vor Vorfreude. Aber unsere Auftrittszeit lag erst bei 12:40 Uhr. Na gut, im Backstage wurde ich dann erst mal mit insgesamt 15 Backstageausweisen für die komplette Band und Crew ausgestattet. Von diesem Moment an war ich verdammt wichtig! Kurz darauf kamen dann auch schon meine musikalischen Mitstreiter über das Gelände gebügelt.
Nach der ausgedehnten Begrüßungszeremonie (schließlich hatten wir uns fast 3 Tage nicht gesehen) hab ich dann die Ausweise verteilt und Verhaltensmaßregeln erteilt. Das hieß im Klartext: "keine nackten Ärsche auf der Bühne, kein offen konsumierter Alkohol und Sex nur mit Kondom!" Das war ganz wichtig bei dieser Veranstaltung, weil ja das Publikum zu 90% aus Schülern bestand.

Dann ging es erst mal zum Bühnenmanager (was es nicht alles gibt!?). Mit diesem wurde dann abgeklärt, dass Schlagzeug, Bass- und Gitarrenverstärker schon vor Auftrittsbeginn auf der Bühne stehen werden. Das hieß für uns, dass Reini, Mick und Ralph nur kurz ihre Tretleisten einstöpseln mussten und dann könnte es schon losgehn... Aber es war grad mal 10:45 Uhr und das hieß dann erst mal - Backstage, in den allgemeinen Speiseraum zum Kaffee trinken, Eichen essen,Schwätzchen halten. Bis auf BroSis waren alle anderen "Stars" schon da. Wonderwall, Freistil und Samajona taten genau das, was wir taten - nix! Man denkt ja immer, dass die irgendwie anders sind, anders essen oder trinken...Aber nix is! Im Gegenteil...als ich auf´s WC gehen wollte und mir so ein "Stinker" von Freistil entgegenkam, da wusste ich ...bäähh ...furchtbar!

Gegen 11:40 Uhr (wir hatten noch eine Stunde Zeit) stieg dann so langsam die Nervosität. Die erste Band spielte schon, als wir uns dann in unseren ureigensten Backstageraum zurückgezogen haben. Wir bedienten uns des alten MegaRock-Rituals gegen die Angst vorm Auftritt. Das hieß im Klartext...3 akustische Gitarren raus und gespielt, bis die Finger glühen! Das hat den Vorteil, dass man die Angst überspielt, die Nervosität vergisst und dass die Finger und die Stimmen warm werden. Dann war es 12:20 Uhr - Zeit zum Aufbruch. Plötzlich wurde nicht mehr gelacht und erzählt. Es machte sich eine seltsame Stille und Anspannung breit.

Der Weg zur Bühne war aber auch endlos lang. Da hatte man richtig Zeit noch mal zu überlegen, was alles schief gehen kann. Raus aus der Kabine, einen langen Flur entlang, vorbei an den Räumen der anderen, eine Treppe hinunter, wieder einen langen Flur entlang, vorbei an der Kantine, durch die Messehalle auf das Freigelände und dann noch 200m bis zur Bühne. Und da stand ich nun mit meinen 4 Musketieren an meiner Seite, auf einer großen Bühne und vor ca. 10.000 Menschen. "Tapete" war fertig und Mick, Reini, Ralph, Basti, Fussel, Atze und Franzi sprangen los und machten alle irgendwas... einstöpseln, Kabel legen, Setlist legen...irgendetwas. Nur ich hat nix zu tun. Und es war das erste mal, dass ich das lieber ändern wollte! Der ganze Umbau dauerte vielleicht 5-7 Minuten. Dann stand alles.

Die Moderatoren kündigten uns an und Mick marschierte wie Keith Richards zum Bühnenrand und begann das Intro. Und plötzlich wurde alles schön! Nacheinander stiegen dann Ralph, Basti und Reini ein und ab ging die Fuhre!
Es war wie immer...der 1.Ton erklingt und es ist, als wenn jemand einen Schalter umlegt, der Dir sagt: "So Junge, jetzt gehst Du da raus und rockst die Hütte!" Ich stand echt unter Strom. Und die bekommt man am besten in den Griff, wenn man sich bewegt. Und das tat ich dann auch, von rechts nach links, springen, laufen, singen, springen....! Es war einfach nur geil!

Die Leute haben geschrien vor Begeisterung - und sie hatten Recht! Ich glaub, wir waren ganz gut! Mit dem Intro - "viel zu sehr" und "Amerika" ging es ziemlich schnell los. Da flogen sie auch schon, die ersten Kuscheltiere. Yes! So soll das sein! Dann kamen mit "Königin", "er fliegt fort" und "für Dich" 3 verhältnismäßig ruhige Nummern, die dann aber auch durch immer lauter werdende "ausziehen-Rufe" begleitet wurden. Der Endspurt wurde dann mit "Klopf, klopf" eingeleitet. Das hieß springen für jeden, der da war. Und es wurde gesprungen...!!! Herrlich! Und es ging gnadenlos weiter... Bei" Regenbogenland" hielt ich es dann einfach nicht mehr aus. Ich musste runter an den Bühnenrand zum Abklatschen. Das ist ein geiles Gefühl, wenn einem da 1000 Arme entgegengestreckt werden! Und dann ganz schnell wieder hoch auf die Bühne zu "hilf mir". Wie immer war der letzte Song "lass uns leben".
Allerspätesten als die Leute dann lauthals mitgesungen haben, war mir klar, dass das definitiv einer unserer besten Auftritte war! Die Leute waren aber auch verdammt noch mal geil drauf!!!

Also runter von der Bühne und erst mal Luft holen. Das kam während des Auftrittes etwas kurz...Egal, nachdem wir uns alle erst mal gegenseitig gesagt haben, dass wir ziemlich geil waren, haben wir uns hingesetzt und das ganze erst mal wirken lassen... Unbegreiflich, wie das gelaufen ist! Gegen 13:30 Uhr haben wir dann gemeinsam in der Kantine gegessen - Schweinebraten! So langsam beruhigten wir uns wieder. Wir waren aber immer noch völlig aufgedreht! Gegen 14 Uhr haben Atze und ich dann versucht, raus ins Publikum zu gehen, um uns das ganze mal aus einer anderen Perspektive anzuschauen. Aber das war, wie in den Jahren zuvor auch schon, ein sinnloses Unterfangen. Unmittelbar hinter der Absperrung lauerten schon die ersten Autogrammjäger. Ruck-Zuck waren 200 Autogrammkarten durchgejagt, T-Shirts und Hefte beschrieben...Und im Endeffekt haben wir vielleicht 20m Boden gut gemacht! Herrlich! Irgendwann tat mir dann die Hand weh und ich hab mich wieder nach hinten, in den Backstagebereich verdrückt. Mit nem Kaffee in der Hand wollte ich mir dann "wonderwall" vom Bühnenrand, im Graben zwischen 1. Reihe und Bühne, aus ansehen. Keine 2 Minuten saß ich da mit meinem ehrlichen Kaffee, da hatte mich die 1.Reihe schon wieder in Beschlag. Und weiter ging es mit Autogrammeschreiben. Den kompletten "wonderwall" - Auftritt und die ersten 20 Minuten von "BroSis" stand ich da und tastete mich langsam von rechts nach links. Irre! Absolut Irre! Dann war ich aber auch wirklich alle! Es gibt nichts schöneres als ein gelungener Auftritt, wo Du nur Deine eigenen Songs spielst, vor irre vielen Menschen sind, die Dir anschließend sagen, dass das Konzert super war...Einfach genial! Gegen 20 Uhr haben wir dann die Heimreise angetreten und uns bei Basti noch ein wenig dem Alkohol hingegeben - bis morgens um 3 Uhr!

Vielen, vielen Dank an alle Menschen, die uns so einen Tag ermöglicht haben!
derMax