12. Juni 2003 Hamburg
Bei schon wieder herrlichem Wetter ging es gegen 9 Uhr raus. Da man auf diesem herrlichen Zeltplatz kein Geld verdienen wollte, gab es leider auch keinen Kaffee. Die Kioskfrau machte einfach frei – Schlampe! Aber zumindest konnten wir Fussel und Mick überreden, wenigstens frische Brötchen zu holen. Bei dieser Gelegenheit meinte Fussel dann auch gleich, das Design unseres Busses durch eine kleine Schramme zu ergänzen, indem er mal eiskalt den Begrenzungspfahl unseres Stellplatzes in die Fahrertür integrieren wollte. Hätte ihm mal vorher jemand gesagt, dass sich kaltes Blech schlecht verformen lässt. Weiber!!!
Na zumindest hatten wir dann wenigstens unsere frischen Brötchen.
Dann wurde fix abgebaut und eingepackt, schließlich hatten wir 'ne ganze Menge vor. Heute stand Hamburg auf dem Plan – erst eine Stadtbesichtigung und abends dann den "Boss" in der AOL-Arena live erleben. Also ab auf die Autobahn und die Weltstadt erobert.
Gegen Mittag waren wir am Parkplatz an der AOL-Arena. Nach einem kurzen Blick ins Stadion, wo noch fleißig aufgebaut wurde, ging es dann in einem 30-minütigen Fußmarsch auf dem kürzesten Weg zur nächsten U-Bahn-Station. Kein Wunder, dass es beim Fußball in Hamburg nie Theater mit den Fans gibt... Die sind ja schon völlig im Arsch, wenn die am Stadion angekommen sind!
Nachdem wir uns 10 Minuten lang durch die Fahrpläne gekämpft hatten, sind wir dann mit der nächsten Bahn Richtung Zentrum gefahren. In St. Pauli ging es dann raus. Also ich wollte ja eigentlich nicht, aber... naja...
Schon die U-Bahn-Station St. Pauli sprach alle Sprachen dieser Welt. Hier stank es barbarisch nach Pisse! Aber auf der Straße oben war das dann fast weg. Nachmittags war auf der Reeperbahn natürlich noch nicht das Meiste los. Aber die durchaus engagierten Werber vor den einschlägigen Lokalen erkannten sofort, dass es sich bei uns um 6 völlig ausgehungerte Exemplare des männlichen Geschlechts handelte. Wir lehnten aber alle dankend ab. Überall Sexshops, Fummelläden und Dönerbuden... Herrlich!
Irgendwann kam dann die Diskussion auf, ob wir uns noch die Herbertstraße ansehen sollten, also im Speziellen die Frauen der Herbertstraße...
Nach genau einer Sekunde war das dann auch schon entschieden und wir machten uns auf den Weg. Unmittelbar vor den großen, roten Toren überkam uns dann doch die Nervosität. Ist schon komisch, wenn man weiß, dass man in wenigen Sekunden auf 20 halbnackte Schönheiten trifft... Also rein da und gegafft! Sicherheitshalber hatten wir uns alle 'ne Sonnenbrille übergezogen, aber ich glaube, unsere Münder standen so weit offen, dass man genau gesehen hat, was in und an uns vorgegangen ist.
Ich kann natürlich keine Details erzählen. Aber ich denke, die Tatsache, dass wir alle 6 nach 5 Minuten wieder vor den roten Toren standen, lasse keine Frage offen. Zumindest nicht die wichtigen...
Das soeben Erlebte und Gesehene reflektierten wir dann erst mal bei 'nem leckeren Kaffee und 'nem Vanilleeis direkt auf der Reeperbahn – sackenteuer, aber gut! Was einige von uns bei den Weibern da drin alles gesehen haben, war schon irre. Ich konnte mich nur noch an die Gesichter erinnern. So bin ich eben...
Noch ein kurzer Blick in den Hafen, noch ein Fischbrötchen und gegen 18 Uhr machten wir uns dann wieder auf den Rückweg zum Stadion. Die U-Bahn war knallvoll! Und entgegen dem Hinweg standen diesmal auch Busse vor der U-Bahn-Station, die uns direkt zum Stadion gekarrt haben. Da haben wir uns wenigstens den 30-Minuten-Marsch gespart... Dann ging es noch kurz auf den Parkplatz zu unserem Auto – umziehen, Eindieseln und noch eben was trinken und dann ab ins Stadion.
Die lustigen Sicherheitsbeamten am Stadioneinlass hatten wohl keine Vorstellung davon, wie sexuell vorgespannt wir waren... Auf jeden Fall prüften und fühlten die an Körperstellen, die schon bei der geringsten Luftveränderung hätten explodieren können! Oh Gott, also ich war ganz dicht dran, aber es ging nochmal gerade eben gut!
Jetzt waren wir also drin in der AOL-Arena Hamburg und wir hatten noch eine Stunde Zeit bis zum Auftritt from the "Boss".
Weil mein Atze ein ganz feiner Denker ist, hat er jeweils 3 Karten für 2 verschiedene Blöcke geordert. So saßen Basti, Ralph und ich links von der Bühne und Atze, Mick und Fussel saßen rechts von der Bühne. Aber watt soll's!?
Kurz nach 20 Uhr gingen dann die Lichter im Stadion aus und die Gesänge der Fans wurden langsam auf Konzertniveau gehoben.
Auf der Bühne erschien dann plötzlich ein unscheinbarer Typ mit 'ner akustischen Gitarre und spielte irgendetwas. Ich dachte noch so bei mir, dass ist bestimmt ein Tontechniker, der noch eben 'nen Soundcheck macht. Aber nix – plötzlich fing der an zu singen und ... unverkennbar ... das war Mr. Bruce Springsteen höchstpersönlich! Und dann sah man diese coole Fresse auch schon auf den 2 großen Leinwänden – irre! Ich wusste gar nicht, was ich denke sollte. Aber ich hätte heulen können vor Freude! Keiner stellt sich einfach so vor 40.000 Leute, alleine mit 'ner Akustikgitarre und beginnt so sein Konzert... Ach man, das Konzert war definitiv der Hammer. Nach 1h stand dann auch der letzte auf seinem Sitzplatz und brüllte sich die Seele aus dem Leib oder erstarrte vor Begeisterung. Mir ging es nicht anders... In der einen Sekunde noch lauthals am Mitsingen und in der andern Minute stand ich einfach nur da, schaute auf diese Bühne und dachte mir: "Diese coole Fresse! – Unglaublich!"
Nach 2h meinte er, dass er jetzt fertig wäre... ha, ha, ha!!!
Nach 30 Sekunden Zugabe-Rufen stand Bruce schon wieder auf der Bühne und fegte weiter von links nach rechts und wieder zurück! Schönet Ding! Und der spielte und spielte und spielte sich regelrecht in einen Rausch hinein! Immer wenn man dachte, der muss doch jetzt tot von der Bühne fallen, legte er noch einen nach. Die haben eine Energie von der Bühne gestrahlt – das war nicht normal!
Nachdem das Stadionlicht schon 2x wieder angegangen und durch die Fans wieder ausgebrüllt worden war, ging es dann nach etwas mehr als 3h endgültig an. Vorbei! Das war's! Wir saßen noch ca. 20 Minuten auf unseren Plätzen und starrten wortlos auf die Bühne, die mittlerweile schon abgebaut wurde... Irre!
Draußen vor dem Stadion war natürlich noch die Hölle los - Autos, Menschen, Autos... Am Bus trafen wir dann auf die anderen 3 Pfeifen!
Atze war gar nicht mehr zu bremsen. Weil wir ja alle das gleiche Konzert gesehen hatten und das ja auch schon 'ne halbe Stunde her war, erzählten wir uns das ganze Konzert gegenseitig nochmal... völlig bescheuert, aber schön!
Irgendwann stellten wir uns dann in der Autoschlange an und machten uns auf den Weg gen Wismar. 5 von 6 Leuten sind unmittelbar nach Betreten des Busses direkt eingeschlafen, war ja dann auch schon 1 Uhr. Nachdem wir dann aus Hamburg raus waren, sind wir auf die Autobahn gefahren und an der erstbesten Möglichkeit wieder runter, um uns einen Schlafplatz zu suchen. Den haben wir dann auch gefunden. Das war so ein Wirtschaftsweg zu einem Feld, unmittelbar neben der Straße. Mitten auf diesem Weg, der genauso breit war wie unser Bus, schlugen wir dann das große Zelt auf und schliefen ein.
Ein sehr anstrengender Tag, mit viel nackter Haut und einem GIGA-Konzert!
Schönet Ding! derMax