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6. Juni 2003 – the day after

Der Morgen nach Frankfurt begann für die meisten von uns erst einmal mit Duschen... naja! Mick sah noch etwas zerknirscht aus, weil sein Bett wohl nicht ganz den EU-Normen für Federkernmatratzen entsprach. Aber der Bursche ist hart im Nehmen. Und so entschied auch er sich dafür, das herrliche Wetter und die grenznahe Lage für einen niveauvollen Einkaufsbummel im benachbarten Ausland zu nutzen. Was konnten wir schon verlieren? Unser Leben? Unser Geld? Das war mir alles egal! Aber was wenn – entgegen aller schmierigen Vorurteile – unser Bus auf einmal nicht mehr am Abstellort steht? Naja, die Billignikotinsucht meiner Mitstreiter war größer als die Angst und so entschlossen wir uns, den Bus in Deutschland abzustellen und nach Polen zu laufen.

Noch auf der deutschen Seite versuchte Basti einen Softeisautomaten mit Geld zu bestechen, ihm eine Portion seines gefrorenen Zuckerwassers auszuliefern. Basti studierte hierzu lange die vorbeilaufenden Passanten und analysierte den Produktionsvorgang der Softeistüte. Von außen sah alles so einfach aus: Geld rein, Tüte rutscht in Ring, drücken der Sorte, Eis läuft randvoll in Tüte. Ich würde diese Geschichte nicht im Detail erzählen, wenn es bei Basti genauso gelaufen wäre... Denn bei Bastis Tüte fehlte mal eben einfach die Tüte. Das heißt, der unterste Stumpen der Tüte kam raus, der obere fehlte. So blieb die Tüte natürlich auch nicht im Ring hängen, sondern fiel durch. Er hat dann trotzdem versucht, alles Softeis in den Stumpen zu bekommen – scheiterte aber kläglich! Die Spuren des Unvermögens sah man noch bei unserer Rückkehr aus Polen... Aber zunächst ging es ja erst einmal rüber.

Die Passkontrolle an der Grenze förderte Lichtbilder zu Tage, die ich vielleicht auf den Fahndungslisten von 1985 das letzte Mal gesehen habe. Wer Ralph Peter Jürgen kennt, der weiß um sein Äußeres. Wer dies allerdings auf sein hohes Alter schiebt, den muss ich enttäuschen. Der Mensch war früher noch viel hässlicher! Vokuhila-Oliba!!! Vom allerfeinsten! Dicht dahinter rangierte unser Fussel, den man zumindest anhand der Bilder als kleinen Bruder von Ralph hätte passieren lassen können. Ekelhaft! Wolle Petry und sein hässlicher Bruder...

Na gut, aus Mitleid haben uns die Grenzer dann durchgelassen. Drüben angekommen trafen wir nicht, wie erhofft, auf gut gebaute, leicht bis gar nicht bekleidete junge Damen. Im Gegenteil – alte, runzelige Markttanten stiefelten da rum. Aber egal, sie waren verdammt billig! Also die Sachen, die diese Damen zu verkaufen hatten.
Diese einmalige Gelegenheit ließen sich Basti, Ralph und Atze natürlich nicht entgehen. Da -schon wieder- Basti in seiner unglaublichen Weisheit eine Ostseetour im Juni komplett ohne kurze Hose angetreten ist, ließ er sich von einer polnischen Verkäuferin beim Kauf einer kurzen Hose beraten. Ich weiß nicht, ob Basti polnisch kann, aber der Begriff "die passt doch!" ist für mich seit diesem Tag ein sehr, sehr, seeeeeeeeeehr, sehr dehnbarer... Basti ließ sich aber nicht von unserem Gejohle beirren und kaufte das gute Stück. Glückwunsch! Inspiriert von Form, Farbe und Passgenauigkeit ließen sich dann auch noch Ralph Peter und Atze zum Kauf einer kurzen Hose überreden. Bei Ralph ging das schnell...
Bei Atze nicht! Um den fetten Arsch irgendwo in 'ne Hose zu pressen, braucht es 'ne Weile. Die Tatsache, dass er zum Anprobieren mit der Verkäuferin ins Separee musste und diese dann nach 5 Minuten hyperventilierend wieder an ihrem Tresen stand, spricht nicht unbedingt für das Stehvermögen meines Bruders. Aber er hat 'nen guten Preis rausgeschlagen. Sie hat zwar nix erlassen – aber er musste auch nicht mehr bezahlen!

Zu guter Letzt musste unser Fussel dann noch eine 70-jährige Blumenverkäuferin erobern. Die saß da in einer Reihe voller Blumenverkäufer und sah nicht so aus, als hätte sie heute schon das große Los gezogen. Also ging unser Fussel an ihren Stand, schaute lange nach einem schönen Strauß Blumen, suchte sich den schönsten aus, kaufte ihn und schenkte ihn der Blumenverkäuferin! Herrlich! Erst wusste sie gar nicht, wie ihr geschieht. Doch dann lächelte sie und bedankte sich 1000x... Jetzt ging es für meine Suchtkutten noch schnell zum Zigarettendealer um die Ecke. Der hatte zum Glück auch noch billigen Alkohol vorrätig. Bepackt wie die Lastesel und um viele Euroletten leichter traten wir dann wieder den Weg ins Heimatland an. Diesmal wurden die fiesen Fressen und ihre Ausweise noch schärfer kontrolliert. Wahrscheinlich haben die Grenzer gedacht: "Wie kommen diese zwei Polen nur an gültige deutsche Ausweise?" Egal, wir kamen alle wieder rein und - siehe da – der Bus stand noch.
Also ab gen Ostsee. Nach endlosen Stunden im Bus und mehreren Lachattacken wegen Atze Schröders "Meisterwerke" kamen wir dann gegen 20 Uhr am Zeltplatz Börgerende an. Bei immer noch Minimum 25°C und Sonnenschein haben wir dann erst einmal unsere Zelte aufgebaut und dann ging's ab an den Strand, wo Basti seine neue Polenhose erstmals dem Publikum präsentierte!
Dort zelebrierten wir dann einen Grillabend vom allerfeinsten!
Atze und Fussel kümmerten sich um den Rost, Steaks und Würstchen, Mick, Basti und ich spielten dazu Gitarre und sangen schmutzige Lieder und Ralph... trank! Ich sag ja immer: "Jeder, wie er kann!" Nein, aber der Bursche war vom Vortag noch so fertig, dass er gegen 22-23 Uhr schon im Zelt lag. Die junge Garde der Band dagegen wollte es wissen! Sommer, Strand, Lagerfeuer, Gitarren und wir – da fehlten doch nur noch Frauen...! Es hat nicht lang gedauert... Der Abend war dann noch ziemlich lang (ich war gegen 6 Uhr im Bett) und lustig. Manche schliefen am Strand, manche im Zelt, manche gar nicht, was vielleicht erklärt, warum Bastis neue Polenhose dreckig und gerissen war... Wiederum manche waren zu blöd, den Beweis ihres Schaffens zu vernichten - aber schön war's! derMax