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2. Mai 2003 Freyburg – Citynightlife

...es geschah an einem herrlichen Frühlingstag. Da trafen sich 4 finstere Gesellen und eine recht ansehnliche Gesellin und machten sich auf, die Welt mit ihrer Musik zu verzaubern. Doch vor den Erfolg hat der liebe Gott den Fleiß gesetzt und so mußten wir, so wie jedes Mal, den Proberaum aus- und den Bus und Hänger einräumen. Da dies ein ganz normaler Arbeitstag war, dachten wir, der Fahrstuhl läuft normal bis 17 Uhr. Es war auch erst 16 Uhr als wir ankamen, aber der Fahrstuhl sagte keinen Ton. Auch war keiner da, der das Ding öffnen konnte. Fahrstuhl und Belegschaft waren wohl alle im verlängerten Wochenende. Dementsprechend motiviert gingen wir also die 2 Etagen nach oben und räumten erst einmal alles zusammen. Ca. 100 Tonnen Anlage, über mindestens 10.000 Stufen, fast alleine nach unten zu wuchten verdirbt jedem die gute Laune. Das hatten wir ja schon einmal. Danach waren wir durchgeschwitzt und komplett am Ende.
Naja, während ich mich mit dem Schicksal abgefunden hatte, alles runter tragen zu müssen, versuchten Henne und McGyver durch Verbiegen irgendwelcher Schlüssel und Nägel, den Fahrstuhl in Gang zu kriegen. Dieses Unterfangen scheiterte mehrmals kläglich. Doch es sollte ein schöner Tag werden.
Unser Sprachengenie Ralph hat doch irgendwo in diesem riesigen Bürokomplex doch noch einen Menschen aufgetrieben, der nicht im verlängerten Wochenende war. Und warum er das nicht war, wurde auch schnell klar. Der Mann war Engländer und sprach demnach Englisch. Es ist für mich ein Rätsel, wie ihm Ralph, mit seinen noch nicht einmal rudimentär vorhandenen Englischkenntnissen, dennoch begreiflich machen konnte, daß er den Fahrstuhl gern geöffnet hätte. Aber irgendwie hat er es geschafft. Er hat es geschafft! Die Zauberformel von Ralph hieß "Lift" und eine Menge Gestik und Mimik. Was weiß ich, wie dieser Engländer aus der Fratze schlau geworden ist?! Wahrscheinlich war er hochbegabt oder ähnlich strukturiert wie Ralph. Auf jeden Fall war das Ding dann offen und wir konnten den Fahrstuhl beladen. God save the Queen!
Also ging's los gen Freyburg. An der ersten "elf"–Verpflegungsstation wurden die Vorräte wieder aufgefüllt und unter einer ständigen Telefonverbindung zu Basti wurde dann der Marschbefehl erteilt. Ach ja, Basti...
Die arme Sau war seit morgens 6 Uhr mit seiner Jenny auf den Beinen, um endlich dieses junge, noch unschuldige Wesen auf die Welt zu bringen. Doch wie das nun mal so ist. Weder die Frau, noch das Kind wollten, so wie Basti wollte. Also fuhren wir ohne ihn los.
In Freyburg erwartete uns ein sehr netter Veranstalter, ein großes Zelt mit Bühne und schönes Wetter... Frohen Mutes bauten wir also auf. Das Problem war, daß sich eigentlich noch keiner vorher von uns mit dem Aufbau eines Schlagzeugs befaßt hatte. Und dann verfügt Basti ja auch gleich mal über 2 kranartige Ausleger als Arme. Also: Wie die Schießbude aufbauen? Das überließ ich dann doch lieber Franzi und Ralph. Mick und ich spielten derweil einen gepflegten Ball. Die halbstündlichen Kontrollanrufe bei Basti versprachen keinerlei Besserung – kein Kind in Sicht. Irgendwann hatte die werdende Mutter dann ein Einsehen und ließ Basti ziehen. Allerdings mußte sie versprechen, jetzt auch noch bis Samstagfrüh zu warten! Basti kam dann gegen 19:30 Uhr in Freyburg an. Der sah aus wie der Tod auf Latschen – kreidebleich und chice Augenringe! Kinderkriegen ist wohl doch nicht so einfach...
Naja, wir gingen erst einmal lecker Essen. In einer Gaststätte nebenan wurden wir dann bei ganz, gaaaanz, ganz lecker Essen und musikalischer Begleitung vom Freyburger "Frank Zander" so langsam in Auftrittsstimmung gebracht.
Gegen halb zehn ging's dann wieder zurück ins Zelt. Die Mägen waren noch sehr voll (Mick mußte sich wirklich 2,5 kg Fleisch in 5 Minuten reinhauen), aber da mußten wir durch. In Freyburg, im übrigen eine sehr schöne Stadt, so weit ich das beurteilen kann, waren schon eine Menge Leute auf den Beinen. So war unser Zelt auch schon gut gefüllt. Na, das ist doch was... also die fette Wampe auf die Bühne gewuchtet, Gitarren gestimmt und los gings...
Wir waren ja vorher noch nie in Freyburg. Aber wahrscheinlich liegt es an der unmittelbaren Nähe zu Naumburg, daß die Stimmung einfach nur herrlich war. Schon von Anfang an rockte es bis zum Zipfel! Schönet Ding!
Beim Kontrollanruf im Krankenhaus in der 2.Rundenpause kam dann doch noch einmal kurz Nervosität auf... Die Fruchtblase war geplatzt! Aber Schwester ??? beruhigte die Gemüter und Basti blieb erst einmal vor Ort.
Die ganze Mugge war genial, die Leute, die Stimmung, das Bier... alles chic. So haben wir dann auch mal eben 3 niegelnagelneue Songs gespielt, die wir genau 1x vorher im Proberaum geübt hatten. Und was soll ich sagen, sogar die liefen wie geschmiert. Bei 2 Songs half uns dann noch Elke Thieme aus. Eine schöne Frau, mit einer noch schöneren Stimme, mit 4 wunderschönen Männer... Da wurde für jeden was geboten!!! Am liebsten hätte ich nie aufgehört!
Aber hart und unerbittlich zeigte sich die Touristenstadt – 01:30 Uhr war definitiv Schicht im Schacht! Zum Glück hatte ich die Leute schon seit 1 Uhr mit unehrlich gemeinten "das ist der definitiv letzte Song–Sprüchen" darauf vorbereitet. Und nach der 10. Zugabe war dann auch Feierabend – mit Musik.
Denn jetzt ging's weiter mit Smalltalk und es wurde ein wenig geflirtet. Ein paar nette Damen sind, aus mir unbegreiflichen Gründen, doch tatsächlich in diesem Zelt hängen geblieben – ich liebe dieses Land! Naja, so verging Stunde um Stunde...
Irgendwann bauten wir dann mit deutscher Ingenieurskunst den Bus und den Hänger wieder ein. Was nach 3h Bier und Wein auch nicht unbedingt flink von der Hand ging. Gegen 5 Uhr traten wir dann auch die Heimreise an. Zu diesem Zeitpunkt war Basti schon wieder fleißig am Pressen. Er war direkt nach dem Ende wieder ins Krankenhaus gefahren, um sich die Hände zerquetschen zu lassen... Aber der kleine Racker sollte die beiden und uns alle noch eine Weile zappeln lassen...

Alles in allem – ein sehr aufregender und schöner Abend!
Freyburg – ist eine Reise wert! derMax