26. Dezember 2002 Jena- Havana-Bar
Da war es also wieder so weit – Weihnachtskonzert in unserem 2. Zuhause. Wir hatten uns viel vorgenommen für diesen Tag. Schließlich war es das 1. Konzert ohne Reini vor heimischen Publikum – da wird einem immer derbe auf die Finger geschaut. Aber wir hatten uns gut vorbereitet und eine ganze Latte neuer Songs im Gepäck.
Wir waren also heiß wie Frittenfett. Über die ganze Probearbeit und CD-Vorbereitung hatten wir es komplett verdaddelt, für das Konzert auch nur ein einziges Plakat aufzuhängen. Vor daher wußten wir gar nicht so recht, wer und wie viele überhaupt kommen würde. Aber das hat uns noch nie abgeschreckt! Also ging es schon am frühen Nachmittag los mit Ausräumen des Proberaums und Aufbauen in der Havana-Bar. Da wir ja schon das eine oder andere Mal dort gespielt haben, saß jeder Handgriff perfekt und das Thema Aufbau war sehr schnell beendet. Das galt im übrigen auch für die Lichtanlage. Mittels unseres fleischgewordenen Krans – Basti – waren die Teile recht zügig angebracht und verkabelt. Wer braucht schon 'ne Leiter?!?!
Bis dahin war also alles perfekt gelaufen – zu perfekt! Deshalb war es auch eigentlich klar, daß der Soundcheck totale Grütze war. Irgendwie war keiner mit seinem Ton zufrieden, alles war zu laut und hallig und überhaupt...! Wir haben uns dann nach eingehender Beratung mit Henne dazu entschlossen, den ganzen Kram einfach so zu lassen wie er ist und darauf zu hoffen, daß am Ende alles klingen wird.
Also ging es ab in die "No. 5" zum Speisen. Das heißt, wir hatten es vor. Denn zu meiner großen Belustigung wurden Ralph Peter Jürgen seine Bestellungen eiskalt ignoriert und dann nach jeweils 10 Minuten mit einem freundlichen "haben wir leider nicht" quittiert.
Natürlich war das für mich schon mal ein Highlight des Abends – diesen verfressenen alten Sack völlig deprimiert und hungernd auf seinem Holzstühlchen zu beobachten, wie er uns gierig bei der Nahrungsaufnahme zuschaute. Ich war eigentlich schon lange pappensatt, aber nur um nichts übrig zu lassen, stopfte ich mir die letzten Bisse noch hinter die Kiemen.
Na gut, ich war satt, die anderen auch – da kam auch schon die "Riesenportion" von Onkel Ralph. Ha, ha! Naja, wir haben trotzdem auf ihn gewartet!
Gegen 21.30 Uhr trudelten wir dann wieder in der Havana-Bar ein. Hier war es schon gut gefüllt und, im Vergleich zu den eisigen Temperaturen draußen, saunaartig heiß. So kam es mir zumindest vor. Hava bedeutet immer, daß man viele, viele Gesichter trifft, die irgendwie mit der Band zu tun haben und die man sonst nicht so oft sieht. So war z.B. mein alter Spezi Jens H. aus C. an der S. da. Den hatte ich locker 1,5 Jahre nicht mehr gesehen. Irre!
Noch schnell einen winzig kleinen Schluck Rotwein (Schorle!) und schon waren wir gegen 22.30 Uhr spielbereit. Der Laden war ordentlich gefüllt und so preßten wir uns durch die Menschenmassen zur Bühne.
Und los ging es doch direkt schon mit einem Highlight. "Guten Abend, schön Abend" – total unplugged – das hieß 4-stimmig!!! Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, was wir uns bei den Proben zersemmelt haben! Ein Ton schiefer als der andere! Ralph Peter suchte wie ein Wahnsinniger die richtigen Töne. Er gab alles – er preßte, würgte, schrie sich bis zur Bewußtlosigkeit. Aber – für Nüsse! Sagen wir mal so: "Ralph Peter hat die Tonleiter neu für sich interpretiert." Mick brummelte dazu in den tiefsten Tonlagen, wo ich selbst mit 'nem Schaufelbagger nicht hingekommen wäre. Dazu noch Bastis göttliche Stimme, die als Notanker fungierte, damit alles in allem ein brauchbares Ergebnis bei rauskommt... hört mir bloß auf! Damit fingen wir also an. Ich hätte mich vor Lachen hinschmeißen können – aber wir haben das eiskalt durchgezogen. Und ich denke, die Leute hatten auch ihren Spaß. Zumindest gab es nach der 1. Strophe den völlig berechtigten Applaus. Aber auf Kies gefurzt – wir haben eiskalt noch 'ne 2. Strophe drangehängt! Haha...
Na gut, die erste Hürde hatten wir relativ schadlos genommen. Doch als 2. Song kam dann direkt noch 'ne "real unplugged" Nummer – "Onprangering". Ein herzzerreißendes Lied über sämtliche körperliche Fehlfunktionen, die man sich vorstellen kann. Alter Schwede – anschließend war ich heiser wie ein Räucheraal.
Aber jetzt ging es erst richtig los. Mit "Star" wurde es dann das 1. Mal richtig laut in der Hütte. Und siehe da, alle Soundcheckprobleme waren dahin. Klang alles, rockte alles – schönet Ding! Am Ende der 1. Runde dann noch den 1. richtig ganz, ganz neuen Titel – "Ödipussi". Ging auch wie die Sau! Und dann war endlich Pause. Obwohl das Wort Pause eigentlich auch nicht so ganz zutreffend ist. Denn in der Havana-Bar hat man keine Pause und das ist gut so! Nach ganz ehrlichen 10 Minuten ging es dann auch schon weiter. "Fast wie von selbst" die Nummer, die wo da ich Megaplinte doch Keyboard spiele... geil! Gefolgt von dem 2. richtig neuen Titel "Für Dich". Dazu sag ich nur: Gitarre, Gitarre, Gitarre!!! Ach herrlich, die ganze Runde war gespickt mit Schmankerln... Auch hier am Ende dann noch 'ne ganz neue Nummer "Win some loose some". Die haben wir erst 2 Tage zuvor gehört, geprobt und schon gespielt! Eine Riesennummer!
Was soll ich sagen? Alles in allem war es schon bis hierhin das beste, was wir je in der Hava abgedrückt haben! Und die 3. Runde ging genauso weiter, wie die 2. aufgehört hatte. Verstärker aufgewurzelt und schwupp ging es ab. "Go your own way" – auch ein neuer Titel, war die erste Nummer, dann noch "Weißes Kleid" und "Amerika" und dann der Hammer...! Nach diesen drei relativ lauten Nummern legten wir nun fast alle Instrument beiseite. Einzig eine akustische Gitarre durfte begleiten – und zwar unser "Superunpluggedärztespezial"!!! Ein Genuß für die Sinne! Da war alles drin: Liebe, Protest, Hoffnung, Emanzipation und 'ne ganze Menge Spaß!!!
Scheiße war das geil! Mit "Friseur" ging es dann gleich wieder in den gitarrenlastigen Teil des Abends. Und im Anschluß kam dann das "Publikumshighlight" der Coverversionen des Abends – Nena's neuer "Leuchtturm". Eine Himmelsnummer! Und das ging immer so weiter...!
Am Ende der Runde dann noch der emotionale Höhepunkt – "Creep" mit allem, was das Herz hergab.
Ich muß ehrlich sagen, daß mir die 4. Runde mittlerweile völlig egal war. Der Abend lief so genial. Da konnte jetzt passieren was wollte! Und es passierte natürlich genau das, was die ersten 3 Runden schon passiert ist – geil, geil, geil!!!!
"Ohne Dich", "Nimm mich mit", "Viel zu sehr", "Kompliment", "Frau Schmidt", "Regenbogen", "Beton", "Irgendwo" ... Einfach nur herrlich! Anschließend dann noch der obligatorische Saxophoneinsatz vom Chef persönlich. Robert Ackermann zu "Devil" und "Deserteure" ...
Natürlich wollten wir kein Ende finden. Und so haben wir einfach weiter gespielt. Immer weiter, weiter und weiter. Zur allgemeinen Erheiterung dann noch einmal "Leuchtturm" und "Honky tonk woman" mit Papa Tischer am Schlagzeug und Henne und Basti an Gesang und Glocke und Robert A. am Saxophon.
Gegen 3.00 Uhr dann die letzte Nummer "Frösche" mit einem herzergreifenden Gitarrensolo vom Jimmy Hendrix des mittleren Saaletals – Sebastian Tischer! Wer da nicht schwach wird, hat kein Herz.
Abgebaut haben wir natürlich nicht mehr. Dafür haben wir dann noch gefeiert – so bis 7 Uhr.
Ein fettes Danke an alle, die da waren!!! Das war der beste Jahresausklang, den man sich wünschen kann. Danke! Danke! Danke! derMax